Gesundheit Nordhessen verringert Defizit

Klinikum stabilisiert Ergebnis: GNH veröffentlicht Jahresbilanz

Eingang Klinikum Kassel
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Ende 2019 hat die GNH mit ihrer Neuausrichtung begonnen. Unter anderem hat der Konzern in die Digitalisierung klinischer Abläufe und in eine neue Intensiv- und OP-Struktur investiert.

Im zweite Jahr in Folge hat die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) mit einem Defizit abgeschlossen. Die Entwicklung lässt allerdings hoffen.

Kassel - Die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH), zu der das Kasseler Klinikum gehört, steckt weiter in den roten Zahlen. Das Unternehmen hat das Geschäftsjahr 2020 mit einem Defizit von 7,8 Millionen Euro abgeschlossen. Fragen und Antworten.

Wie fällt das Jahresergebnis konkret auf? Während die Verluste für den Konzern im Jahr 2019 bei 11,2 Millionen Euro lagen, betrugen sie 2020 7,8 Millionen Euro. Die GNH blickt also auf ein negatives Ergebnis zurück, hat aber im Vergleich zum Vorjahr eine Verbesserung um 30,5 Prozent erreicht. „Trotz signifikanter Einschnitte durch die Corona-Pandemie, wie beispielsweise die Aussetzung der elektiven Eingriffe, die Freihaltung von Betten für Covid-Patienten und damit einem starken Rückgang der Fallzahlen, ist es uns gelungen, die Negativentwicklung der Vorjahre aufzuhalten“, sagt Michael Knapp, Vorstandsvorsitzender der GNH.

Wo liegen die Gründe für diese Entwicklung? Entscheidend für das Ergebnis ist laut GNH die Entwicklung im Bereich der Krankenhäuser. Das Klinikum Kassel und das Krankenhaus Bad Arolsen haben ihre Ergebnisse demnach stabilisiert.

Was heißt das konkret für die Krankenhäuser? Das Klinikum Kassel verzeichnet 2020 einen Verlust von 4,7 Millionen Euro (2019: minus 8,7 Millionen Euro ohne Einbehalt des Zukunftssicherungstarifvertrags), das Krankenhaus Bad Arolsen kommt auf minus 615.000 Euro (2019: minus 1,9 Millionen Euro ohne Einbehalt des Zukunftssicherungstarifvertrags).

Die GNH hat 2020 zur Gewinnung und Bindung von Beschäftigten den Zukunftssicherungstarifvertrag (Zusi) beendet. Durch diesen hatten die Beschäftigten seit 2007 auf vier Prozent ihres Gehalts verzichtet. Im Gegenzug waren betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen worden. Die Beschäftigten erhielten bei einem positiven Jahresergebnis zudem eine anteilige Rückzahlung. Das war bis 2017 der Fall. Mit Einbehalt des Zusis kam das Klinikum Kassel 2019 auf einen Verlust von 4,3 Millionen Euro, das Krankenhaus Bad Arolsen auf einen Verlust von 1,5 Millionen Euro.

Seit August 2020 gehören zudem die Kliniken in Wolfhagen und Hofgeismar nicht mehr zur GNH. In den ersten acht Monaten des Jahres lag der Verlust der Kreiskliniken Kassel GmbH bei 2,1 Millionen Euro (2019: 4,9 Millionen Euro).

Was fällt beim Blick aufs Personal auf? Innerhalb des Konzerns wurden keine Stellen abgebaut. Beschäftigte aus der Kreiskliniken GmbH sind per Betriebsübergang in den Eigenbetrieb gewechselt und die Beschäftigten der 2020 verkauften Seniorenwohnanlagen sind zusammen mit der SWA GmbH an den neuen Träger übergegangen. Bereinigt um diese Effekte wurden Stellen – überwiegend im Pflegebereich – aufgebaut.

Wie viel Ausgleich hat die GNH 2020 wegen der Coronakrise vom Staat bekommen? Das Klinikum Kassel hat 18 Millionen Euro als Ausgleichszahlungen für das Freihalten von Intensivstation und Normalstationen erhalten. Für Schutzausrüstung gab es weitere 1,7 Millionen Euro. Dem stehen die Einnahmeverluste und Erlösverluste aus dem Verschieben von Operationen und dem Freihalten von Betten in ähnlicher Größenordnung gegenüber. Die Kosten für die Schutzausrüstung, die Bewachungskosten und Desinfektionsmittel liegen mit 2,8 Millionen Euro über den Einnahmen. Die GNH hat nach eigenen Angaben also nicht von den Zahlungen profitiert.

Inwieweit wirken sich die 63 Millionen, die die GNH als Unterstützung von der Stadt bekommen hat, auf die Zahlen aus? Diese haben laut GNH keinen Effekt auf das Jahresergebnis. Konkret hat die GNH 27,8 Millionen Euro Eigenkapital und ein Kontokurrentdarlehen in Höhe von 30 Millionen Euro erhalten. Das Darlehen wurde nicht in Anspruch genommen. Die Einlage in das Eigenkapital hat die Liquidität in den Jahren 2020 und 2021 gestärkt, „um für die Banken eine solide Basis für weitere Investitionen zu bieten“. (Marie Klement)

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