Kündigung von Dr. Sons ab 24. August vor Arbeitsgericht

Kündigung von Dr. Sons ab 24. August vor Arbeitsgericht - Klinikum sucht Nachfolger

Kassel. Das Arbeitsgerichts-Verfahren um die fristlose Entlassung des Chefarztes der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, Dr. Hermann Sons, hat noch nicht einmal begonnen, da wird bundesweit schon ein Nachfolger gesucht.

Dr. Hermann Sons

Im aktuellen Deutschen Ärzteblatt sucht die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) „zum nächstmöglichen Termin“ den Chef für die Herz- und Gefäßchirurgie des führenden Krankenhauses der Region am Möncheberg. Am 24. August beginnt vor dem Kasseler Arbeitsgericht das Verfahren, mit dem sich Sons gegen seine fristlose Entlassung wehren will. Dass im Vorfeld vor einer Entscheidung des Gerichts ein neuer Chefarzt gesucht wird, erklärt GNH-Sprecherin Gisa Stämm damit, dass schon wie in der kardiologischen Klinik des Klinikums seit Längerem beabsichtigt sei, auch die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie künftig ebenfalls im Kollegialsystem zu leiten. Deshalb werde bereits seit dem vorigen Jahr nach einem neuen, weiteren Chefarzt gesucht.

Im ersten Halbjahr 2010 hätten sich bereits – unter Einbeziehung von Dr. Sons - mehrere Bewerber vorgestellt. Nach der Trennung von dem langjährigen Chefarzt habe man die Suche intensiviert, um die Nachfolge schnellstmöglich zu klären.

Dr. Gerhard M. Sontheimer

Mitte Juli musste der 62-jährige Klinikdirektor, der seit 1994 in Kassel die Herzchirurgie mitaufgebaut hatte, seinen Arbeitsplatz räumen. Zu den Gründen für den überraschenden Rauswurf, der im Klinikum und in der Öffentlichkeit für Entrüstung und Kritik gesorgt hatte, gibt es von Seiten der GNH keine Stellungnahme. Bis zur Neubesetzung leitet Oberarzt Dr. Hans-Jörg Kellner die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie kommissarisch. Dr. Hermann Sons, der 1994 aus Duisburg als Chef der neu geschaffenen Klinik nach Kassel gekommen war, möchte sich vor dem Arbeitsgerichtsverfahren nicht öffentlich zu dem Geschehen äußern.

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Hinter den Kulissen gilt der Rauswurf des geachteten Chefarztes als weiterer Akt im seit Jahren andauernden Streit zwischen GNH-Vorstandschef Dr. Gerhard M. Sontheimer und vielen seiner leitenden Ärzte. Dem Vorstandsvorsitzenden, der seit Anfang Mai dieses Jahres gleichzeitig auch neuer Klinikum-Geschäftsführer ist, wird nachgesagt, inzwischen schon mehrere Kapazitäten aus dem einzigen nordhessischen Krankenhaus der Maximalversorgung vergrault zu haben.

Die bundesweit bekannten Querelen haben längst auch den Rotary Club Kassel erreicht. Dort wurde nach HNA-Informationen aus dem Kreis der 75 Mitglieder beantragt, Sontheimer wegen des Umgangs mit seinen Chefärzten auszuschließen. Bisher ist es nicht dazu gekommen. Dem Club, der 1950 gegründet wurde, gehört auch Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) an, der bis Mai dieses Jahres als GNH-Aufsichtsratsvorsitzender Sontheimers Vorgesetzter war. Auch Dr. Hermann Sons gehört dem Rotary-Club an. Rotary International ist eine weltweite Vereinigung von Führungskräften, die unter dem Motto „Selbstlos dienen“ Frieden, Völkerverständigung und die Schaffung menschenwürdiger Lebensbedingungen überall auf der Welt fördern will sich für die Einhaltung hoher ethischer Normen in allen Berufen stark macht.

Unter der Personalpolitik des GNH-Vorstandschefs und dessen Dauerstreits mit Chefärzten wird nach Einschätzung von Kritikern langfristig auch die Patientenversorgung im Klinikum leiden.

Von Jörg Steinbach

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