„Unangenehm und unangemessen“

Kampf um Pflegekräfte wird härter: Klinikum Kassel wirbt mit illegaler Guerilla-Aktion um Personal 

Kreidemarkierungen der GNH-Kliniken vor den Diakoniekliniken in der Herkulesstraße.
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Ungewöhnliche Werbung: Die Kreidemarkierungen der GNH wie hier vor den Diakoniekliniken in der Herkulesstraße müssen wieder entfernt werden.

Die DRK-Kliniken Kassel sorgten mit einer ungewöhnlichen Werbung für Aufsehen. Nun buhlen die Krankenhäuser mit einer illegalen Guerilla-Aktion um Personal.

Kassel – Mit einer ungewöhnlichen Aktion wirbt die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) um Pflegekräfte für das Klinikum: Mit Kreide hat der Klinikkonzern vor allem auf Gehwegen an anderen Hospitälern den Slogan „Maximal Intensiv“ sowie eine Internet-Adresse aufbringen lassen. Sie führt zur Seite maximal-intensiv.de, auf der sich Intensivpfleger bewerben können. Nun fragen sich viele: Dürfen die das?

Es ist nicht die erste Werbung um Fachkräfte, die in Kassel für Aufmerksamkeit sorgt. Anfang September hatten die DRK-Kliniken vor Häusern der Konkurrenz Flyer verteilt. Auf den Zetteln wurden Ärzte und Pflegekräfte aufgefordert, „zu uns zu wechseln“, wenn sie bislang den „falschen Arbeitgeber“ hätten. Nicht nur Marieluise Labrie, damals noch Direktorin des Elisabeth-Krankenhauses, fand das „unangenehm und unangemessen“. Auch die Kreidewerbung stieß bei den Mitarbeitern nun „auf Unverständnis und Ablehnung“, wie eine Sprecherin sagt.

Ungewöhnliche Aktion: Klinken in Kassel ringen um Personal

Die GNH hat ihre Guerilla-Werbung von der Berliner Agentur „Im Mai“ umsetzen lassen. Der Konzern reagiert damit auf den Personalmangel in der Pflege. „Jede Pflegekraft, die ihren Arbeitgeber wechseln möchte, weiß, dass sie vielfältige Möglichkeiten hat“, sagt Sprecherin Nina McDonagh.

Die Kreidemarkierungen, die in der Fachsprache Floor Graphic heißen, verwaschen sich bei Feuchtigkeit von allein, wie McDonagh erklärt: „Sie gelten nicht als Sachbeschädigung.“ Die Agentur habe versichert, dass dafür keine Genehmigung erforderlich sei.

Kassel: Werbung der Kliniken nicht 100 Prozent legal

Trotzdem bewege sich die GNH in einer rechtlichen Grauzone, sagt Werber Clemens Camphausen von der Kasseler Agentur Machbar. Zwar erziele die Werbung Aufmerksamkeit, weil man sie „an Stellen sieht, an denen man sie nicht erwartet“. Zudem sei sie viel billiger als teure Außenwerbung. Aber: „Jeder ahnt, dass das nicht hundertprozentig legal ist. Das könnte das Vertrauen in das Unternehmen untergraben.“ Behörden würden solche Guerilla-Aktionen lediglich billigend in Kauf nehmen. Allerdings nicht in Kassel.

Auf unsere Anfrage teilte die Stadt gestern mit, dass diese „Form der Sondernutzung von Straßen“ nicht gestattet ist und es keine Erlaubnis dafür gab. „Die Markierungen werden auf Kosten der Verursacher entfernt“, sagte ein Rathaussprecher.

In Rotenburg, wo „Maximal Intensiv“ wie in Göttingen ebenfalls auf Gehwege gesprüht wurde, hat die GNH einen Aufdruck von sich aus bereits wieder entfernen lassen. Mitarbeiter der Agentur hatten die Werbung nachts im Dunkeln vor einem jüdischen Denkmal aufgebracht. Auf Twitter wurde dies als „unterirdisch und nicht akzeptabel“ kritisiert. „Den Vorfall bedauern wir sehr“, sagt McDonagh. (Matthias Lohr)

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