Forscherteam der Uni Kassel entwickelt intelligentes Energiemanagement-System

Kluge Büros sparen Strom

Automatisch: Die Kommunikationstechniker der Uni Kassel steuern in ihren Räumen bereits Licht und Temperatur mithilfe von Bewegungssensoren und Gebäudedaten. Dr.-Ing. Rico Kusber ist überzeugt, dass in Büros zu viel Energie verschwendet wird. Foto: Schaffner

Kassel. Dr.-Ing. Rico Kusber ist überzeugt, dass in Büros viel Energie verschwendet wird. Der 31-jährige Forscher vom Fachgebiet Kommunikationstechnik (ComTec) der Uni Kassel ist sich sicher, dass allein während der Mittagspausen Beleuchtung, Heizung, Informations- und Kommunikationssysteme in vielen Gebäuden unnötig Energie verbrauchen.

Deshalb entwickelt er mit ComTec-Leiter Prof. Klaus David und Prof. Alexander Roßnagel (Öffentliches Recht) bis 2014 ein Energiemanagementsystem für intelligent genutzte Büros.

Am Beispiel kommunaler Verwaltungen analysieren die Wissenschaftler mit Partnern von Fraunhofer-Iwes, Eon Mitte, Siemens und dem Kompetenznetzwerk Dezentrale Energietechnologien (Deenet) den Einsatz von Energiefressern im Büroalltag. Sie untersuchen Daten des Gebäudemanagements und integrieren sie in das System, um anschließend durch automatische Steuerung, Computer und Co. effizienter einsetzen zu können.

Angestellte unter der Lupe

„Wir schauen uns aber nicht nur Geräte, Stromverbräuche und die Helligkeitswerte im Raum an“, sagt Kusber, der seit fünf Jahren am Campus Wilhelmshöher Allee forscht. Besonders das Verhalten der Büroangestellten spiele beim Energiesparen eine große Rolle.

So werden zudem Bewegungs- und Kalenderdaten der Mobiltelefone berücksichtigt. Wenn beispielsweise ein Termin außerhalb des Büros im Handy vermerkt sei, könnten zahlreiche Geräte während dieser Zeit automatisch abgeschaltet oder in einen Energiesparmodus versetzt werden, erklärt er.

„Das Verhalten der Benutzer zu verstehen, ist essenziell für eine adaptive Energiesteuerung“, sagt Professor David. Es gehe aber nicht darum, ein System zur Arbeitsplatzüberwachung zu entwickeln, betont Kusber.

Aus diesem Grund untersucht Professor Roßnagel mit der Projektgruppe datenschutz- und arbeitsrechtliche Vorschriften und erarbeitet eine verfassungsverträgliche Technikgestaltung.

Mehr Komfort am Morgen

Das neuartige Energiemanagementsystem soll aber nicht nur Energie sparen, sondern auch den Komfort im Büro verbessern. „Über Sensoren soll das System erkennen, wenn sich der Nutzer morgens seinem Büro nähert und rechtzeitig den Computer hochfahren, je nach Jahres- und Tageszeit die Heizung sowie das Licht einschalten“, sagt Kusber.

Die Forscher werden mit einer Verwaltung im Netzgebiet der Eon-Mitte und Unternehmen aus der Region kooperieren. „Wieviel Energie sich in smarten Büros einsparen lässt, wissen wir noch nicht. Aber wir sehen deutliches Einsparungspotenzial“, sagt Kusber.

Schließlich waren im vergangenen Jahr bundesweit 26,5 Millionen Computer in deutschen Büros im Einsatz, die allein 3,9 Terawattstunden Strom verbraucht haben - das entspricht der Jahresleistung eines mittelgroßen Kernkraftwerks.

www.pinta-it2green.de

Von Sebastian Schaffner

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