Ärger zwischen Vorstand und Ex-Schatzmeister

Es knallt bei den Hessenjägern: Streit um verschwundenes Vermögen

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Auf dem Schießstand der Hessenjäger gibt es derzeit richtig Ärger: Auf dem Archivfoto ist der Vorsitzende Herbert Bachmann zu sehen. Er wirft dem ehemaligen Schatzmeister des Vereins vor, dass Geld aus dem Munitionsverkauf verschwunden ist.

Kassel. Der Streit um Geld für Munition vom Schießstand im Habichtswald sorgt derzeit bei den Hessenjägern in Kassel für kräftig Zündstoff. Der Vorstand des Vereins und der ehemalige Schatzmeister beschuldigen sich gegenseitig, den Verbleib von Vereinsgeld zu verschleiern.

Der Verein ist mit über 450 aktiven Mitgliedern einer der größten Jagdvereine Hessens. Es geht um einen fünfstelligen Betrag.

Der zunächst vereinsinterne Streit ist diese Woche eskaliert: Am 25. August schickte der Vorstand einen Rundbrief an alle Mitglieder, der von dem Vorsitzenden Herbert Bachmann und weiteren Vorstandsmitgliedern unterzeichnet worden ist.

In dem Brief werden der frühere Schatzmeister Jonas Bender und der ehemalige Pressewart, die im April von ihren Ämtern zurückgetreten sind, namentlich beschuldigt. Darin wirft der Vorstand den beiden unter anderem vor, dass Geld aus dem Munitionsverkauf am Schießstand (siehe Stichpunkt) verschwunden ist. Seit dem Jahr 2013 sei die Munition nach Absprache zwischen den beiden „ohne Wissen und Zustimmung der übrigen Vorstandsmitglieder aus der Vereinskasse gezahlt“ worden.

„Die Verkaufserlöse sind jedoch bis heute nicht auf das Vereinskonto zurückgeflossen. Nach Überprüfung des Munitionsbestands handelt es sich um eine Summe zwischen 7500 bis 8000 Euro. Der Verbleib des Geldes ist unbekannt. (...)“

Gegenüber der HNA wollte sich Bachmann zu dem Rundbrief nicht äußern.

Der frühere Schatzmeister Bender sieht die Sache anders. Nach dem Rundbrief habe er seinen Anwalt beauftragt, eine Unterlassungserklärung gegenüber dem Vorstand zu erwirken, sagte Bender am Freitag. „Das ist Verleumdung.“

Nie auf Konto eingegangen

Es sei richtig, dass in den vergangenen Jahren Geld aus dem Munitionsverkauf verschwunden sei, sagt Bender. Das liege daran, dass der Vorsitzende das am Schießstand eingenommene Geld immer persönlich abgeholt habe. Anschließend sei das Geld aber nicht auf dem Vereinskonto eingegangen. Quittungen beziehungsweise Abrechnungen habe es nie gegeben. 9000 bis 12.000 Euro seien deshalb seit dem Jahr 2009 verschwunden.

Aus diesem Grund habe er als Schatzmeister im Oktober vergangenen Jahres beschlossen, dem Vorsitzenden das Geld nicht mehr auszuhändigen. Stattdessen seien seit diesem Zeitpunkt die Ein- und Ausgaben am Schießstand über die Quartalsabrechnung verbucht worden. Seitdem sei es zu Auseinandersetzungen im Vereinsvorstand gekommen, sagt Bender. Er habe noch im April – vor seinem Rücktritt – darum gebeten, dass eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen wird, um über den Verbleib des Munitionsgeldes in den vergangenen Jahren zu sprechen. Das sei aber nicht geschehen. Stattdessen habe er am 22. Juli das Finanzamt über seinen Rechtsanwalt darüber informiert, dass seit Jahren vom Vorsitzenden „Unregelmäßigkeiten begangen wurden“. Bachmann weist diese Vorwürfe zurück.

Der frühere Schatzmeister setzt nun auf eine gerichtliche Klärung. Ebenso der Vorstand der Hessenjäger.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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