Knalltrauma durch Schreckschusswaffe

Amtsgericht: Betrunkener hatte  Pistole abgefeuert - Geldstrafe

Kassel. Mit ihrem einstigen Nachbarn hatte die 25-jährige Zeugin schon öfter Ärger gehabt, weil der seine Musikanlage immer mal wieder zu laut aufgedreht hatte. „Dann beschwerte ich mich, und er drehte leiser - nur an diesem Tag nicht.“

An jenem Augustabend im vergangenen Jahr soll er eine Schreckschusspistole gezückt und abgedrückt haben. Der 42-Jährige, der sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten musste, schwieg dazu.

Sein Kumpel berichtete als Zeuge, die beiden hätten sich an jenem Abend in der Wohnung des Angeklagten getroffen, um ein paar Bier zu trinken und Musik zu hören. Als die Nachbarin ein erstes Mal geklingelt hatte, um sich wegen der Lautstärke zu beschweren, sei der Angeklagte zur Tür gegangen und habe die Klingel abgestellt. Dann habe es geklopft. Er selbst sei zur Tür gegangen, so der Zeuge. „Da knallte es hinter mir.“

Jeder der beiden Männer habe drei bis vier Flaschen Bier getrunken, sagte der Kumpel des Angeklagten. Die Untersuchung des Blutes bei dem 42-Jährigen ergab jedoch, dass es mehr als sechs Flaschen gewesen sein sollen. Rechtsmediziner Manfred Riße wollte daher eine Minderung der Schuldfähigkeit nicht ausschließen.

Die 25-jährige Frau, die inzwischen aus dem Haus ausgezogen ist, erinnerte sich daran, dass es nach ihrem zweiten Klopfen geknallt habe und ihr Funken entgegengeflogen seien. Ihr Nachbar habe unmittelbar vor ihr gestanden, als er den Schuss abgefeuert habe. Im Krankenhaus hätten die Ärzte ein Knalltrauma und Tinnitus festgestellt, einen Monat lang habe sie noch Probleme mit den Ohren gehabt.

Die Polizei, die kurz nach dem Vorfall in die Wohnung des Angeklagten kam, fand zwar die Waffe, jedoch keine Patronenhülse im Flur. Ein Beamter sagte als Zeuge, an der fein säuberlich verpackten Schreckschusspistole seien frische Schmauchspuren festgestellt worden, ein Indiz dafür, dass kurz vorher ein Schuss abgegeben worden sein muss.

Das Gericht hatte am Ende keinen Zweifel daran, dass sich der Vorfall nur so zugetragen haben kann, wie es die beiden Zeugen berichtet hatten. Dem Angeklagten müsse die Hutschnur geplatzt sein. Das Gericht gestand ihm zu, dass er nicht auf seine Nachbarin, sondern lediglich in Richtung Tür gezielt haben muss. Er habe jedoch billigend in Kauf genommen, dass sie Schaden nimmt.

Das Gericht ging von einer verminderten Schuldfähigkeit durch den Alkohol aus. Acht Monate, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden, so lautete das Urteil. Er muss sich der Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellen, 500 Euro Schmerzensgeld zahlen sowie 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. (pas)

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