Knöllchen  im Vorbeifahren

Ordnungsamt-Mitarbeiter vergaben Strafzettel, ohne auszusteigen

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Nicht immer gibt’s den gelben Knöllchen-Zettel: Ein Anwohner hat beobachtet, wie Mitarbeiter des Ordnungsamts sogar aus dem Auto heraus Falschparker aufgeschrieben haben - und dabei selbst auf der Straße stehenblieben.

Kassel. Mitarbeiter der Ordnungsamts haben an der Friedrich-Ebert-Straße offenbar Knöllchen verteilt, ohne aus dem Auto auszusteigen. Ein Anwohner hat beobachtet, wie am Dienstagmorgen ein in zweiter Reihe stehendes Fahrzeug in Höhe der Wintershall-Zentrale aufgeschrieben wurde.

„Die beiden Mitarbeiterinnen des Ordnungsamts stellten sich mit ihrem Wagen dahinter und schrieben sich das Kennzeichen des Falschparkers auf“, schildert der 30-Jährige, der zwar selbst keinen Strafzettel bekam, aber sich über das Vorgehen des Ordnungsamts aufregt.

„Das kann doch nicht wahr sein, dass die im Warmen sitzenbleiben und dabei mit ihrem Wagen selbst eine Verkehrsbehinderung darstellen, während sie vermeintliche Verkehrssünder ahnden“, sagt der Kasseler. „Die selbst begangene Ordnungswidrigkeit wird natürlich nicht verfolgt.“ Der 30-Jährige ist der Meinung, dass die Mitarbeiter zu Fuß auf die Suche nach Falschparkern gehen und dabei die gelben Zettel an der Windschutzscheibe hinterlassen sollten.

In seinem Ärger fuhr der Anwohner den Ordnungsamtswagen noch eine Weile hinterher. „Während die Mitarbeiterinnen Falschparker notierten, die aus dem fahrenden Auto gut zu erreichen waren, wurden andere links liegen gelassen“, schildert er seine Beobachten. Zum Beispiel habe ein Transporter auf dem Gehweg gestanden und bekam kein Knöllchen, auch weitere im Halteverbot geparkte Autos hätten die Damen nicht notiert. „Das ist Willkür“, ärgert sich der Anwohner.

Nach der Beschwerde des Bürgers werde die Leiterin der Verkehrsüberwachung die betroffenen Mitarbeiterinnen um eine Stellungnahme bitten, um zu klären, ob ein Fehlverhalten vorlag, sagte Rathaussprecher Ingo Happel-Emrich auf Anfrage der HNA. Grundsätzlich seien die Mitarbeiter dazu angehalten, beim Ahnden von Verstößen das Auto zu verlassen. „Sofern sich zwei Kollegen im Auto befinden, sollte einer aussteigen und die Ordnungswidrigkeit zu Fuß ahnden.“ Der andere fahre dann üblicherweise weiter oder parke das Auto an geeigneter Stelle, ohne dabei selbst eine Ordnungswidrigkeit zu begehen, sagte Happel-Emrich.

Eine rechtliche Verpflichtung, den gelben Info-Zettel am Auto zu hinterlassen, bestehe nicht. In der Regel würden die Zetteln aber angebracht als „Service für den Bürger“, sagte der Stadtsprecher. Allerdings würden die Zettel häufig von Dritten entfernt und aus Spaß an andere Autos gesteckt. Allein deshalb hätten die gelbe Zettel keine Rechtskraft.

Die von dem Anwohner geschilderte Willkür beim Verteilen der Knöllchen weist der Stadtsprecher zurück: „Ungleichbehandlungen – der eine wird aufgeschrieben, der andere nicht – gibt es nicht.“ Die Mitarbeiter hätten die Aufgabe, sämtliche Ordnungswidrigkeiten zu verfolgen. „Vorrangig zu ahnden sind immer die Verkehrsteilnehmer, deren Verstöße eine Gefahr für Dritte darstellen.“´Für Außenstehende könne es manchmal den Anschein haben, dass der eine Fall verfolgt werde und der andere nicht, wenn ein Falschparker beispielsweise bereits in der Runde zuvor notiert wurde und immer noch vor Ort steht.

Von Katja Rudolph

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