Köche aus dem Voit, Denkmahl, Grischäfer und Co

Kochprofis aus der Region: Das gibt's bei den Küchenchefs an den Festtagen daheim

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Lässigkeit ist wichtiger als perfektes Gelingen: Beim privaten Festmenü geben Kochprofis auch mal die Zügel aus der Hand.

Kassel. An den Weihnachtstagen wird in vielen Familien aufwändig gekocht und in festlicher Runde getafelt. Doch wie verbringen eigentlich Profi-Küchenchefs, die oft auch eigene Lokale führen, die Feiertage? Wir haben uns bei bekannten Köchen erkundigt.

Fritz Wimmer, Restaurant Pfeffermühle im Hotel Gude

An Heiligabend werde ich bis 13 Uhr arbeiten. Um 14 Uhr gibt es eine Bescherung mit den Köchen vom Hotel Gude und einen kleinen Umtrunk. Zuhause angekommen, bekommt unsere kleine Familie Besuch von Freunden und Bekannten. Um 16 Uhr gehen wir gemeinsam zur Christmette in die Matthäuskirche. Den Abend verbringe ich daheim mit meiner Frau unserer Tochter und meiner Schwiegermutter.

• Was gibt’s zum Fest?

Zum Essen gibt es Raclette mit allerlei feinen Zutaten – und wie jedes Jahr mein Lieblingsdessert: ein Tiramisù mit Schokoladen-Zimteis und frischem Obst. Am 1. Weihnachtstag gibt es dann eine Maispoularde mit einer Semmelfülle nach österreichischer Art mit Gemüse und Salat.
• Wer kocht daheim?

Bei uns zu Hause kocht meine Frau – sehr gut, wie ich betonen möchte. Und es ist eine Freude, mal nicht selbst kochen zu müssen. Das mache ich daheim nur gelegentlich für gute Freunde.

• Tipps gegen Küchenstress

Im Vorfeld gut planen dann ist es beim Zubereiten nicht mehr so stressig. Geeignet sind alle Gerichte, die während des Essens keinen hohen Zeitaufwand oder intensive Betreuung benötigen.

Sven Wolf, Inhaber und Küchenchef des Sterne-Restaurants Voit

Den Heiligabend werde ich bei meinen Eltern in kleiner, entspannter Familienrunde verbringen. Dann gibt es auch unser Festmenü, denn an den beiden Weihnachtsfeiertagen werde ich im Restaurant sein und arbeiten. Bis zum Jahresende sind wir komplett ausgebucht.
• Was gibt’s zum Fest?

Gans klassisch eine Gans mit Rotkohl und Klößen, wie es früher immer meine Oma für uns gemacht hat. Aber die ist inzwischen 90 Jahre alt. Am 1. und 2. Weihnachtstag machen wir dann jeweils um 17 Uhr unser Personalessen im Voit. Das ist dann aber keine große Sache. Und frühstücken tue ich ohnehin nie.

• Wer kocht daheim?

Das Kochen an Heiligabend übernimmt meine Mutter. Ich kann dann mal ausspannen. Wenn ich Lust und Kraft verspüre, drehe ich aber vielleicht auch ein paar Knödel ab.
• Tipps gegen Küchenstress

Man sollte nicht in Perfektionismus verfallen und sich davon stressen lassen. Wenn ich mich in einer Atmosphäre bewege, in der sich alle wohl fühlen, dann darf auch ruhig mal etwas in die Hose gehen.

Mario Kotaska, Kölner TV-Küchenchef, aufgewachsen in Nordhessen

In diesem Jahr kommt die ganze Familie zu uns nach Köln. Da meine Schwiegermama am 24. Dezember auch noch Geburtstag feiert, gibt es bei uns von 11.11 Uhr (sorry, da kommt man in Köln nicht dran vorbei) bis 14 Uhr ein gemütliches Beisammensein mit Nachbarn und Freunden. Mittlerweile eine kleine Tradition. Anschließend gehen die Großeltern mit den Kindern zur Christmette und danach kommt der Weihnachtsmann – ja, wirklich!

• Was gibt’s zum Fest?

Immer eine wilde Mischung: Dieses Jahr steht Currywurst mit Austern auf dem Programm. Am Abend ist es dann der Aufregung der Kinder geschuldet, dass es was zum Schöpfen gibt. Aktuell ist Gulaschsuppe mit Dip und Baguette geplant. Den klassischen Gänsebraten gibt’s dann erst am zweiten Feiertag.

• Wer kocht daheim?

Ich koche, wenn ich zu Hause bin, eigentlich immer. Ich muss jedoch dazu sagen, dass meine Frau Christina ebenso eine tolle Köchin ist und im Familienalltag wacker unsere zwei Kinder versorgt. An Festtagen übernimmt sie stets die Getränkeauswahl. da meine Frau gelernte Sommelière ist.

• Tipps gegen Küchenstress

Aus meiner Sicht ist die Planung alles. Gerade wenn die Feiertage so fallen wie in diesem Jahr den Einkaufszettel besonders sorgfältig schreiben und noch mal überprüfen: Sind alle Grundvorräte wie Mehl, Zucker, Eier, Salz, Öle im Haus und auch genug Geschirrspülmittel, Haushaltsrolle und Müllbeutel? Habe ich überhaupt genug Geschirr, Gläser, Servierplatten und Tischwäsche? Und: Ist ausreichend Platz im Kühl- und Gefrierschrank für Getränke und für die Reste vom Festmahl?

Und dann gilt es meiner Meinung nach, auch mal was abgeben zu können und Fünfe gerade sein zu lassen. Es geht nicht darum, wie perfekt alles ist, sondern dass man gemeinsam am Tisch sitzt, isst, trinkt und erzählt.

Sascha Kovacs, Denkmahl und La Vision

Heiligabend werden wir gemütlich in der Familie feiern. Wir sind zu acht, meine Mutter und meine Schwestern werden dann später wohl noch in Sandershausen in die Kirche gehen. An den Weihnachtstagen werde ich dann ausschließlich arbeiten und im „Denkmahl“ in der Küche stehen. Meine Eltern können dann weiter die Feiertage genießen. Bevor sie in Rente gingen, waren sie ja 40 Jahre lang ebenfalls in der Gastronomie tätig.

• Was gibt’s zum Fest?

Es gibt Ente mit Orangensauce, Apfelrotkohl, Klöße und Feldsalat mit Schmand. Und wie immer das Spekulatius-Tiramisù von meiner Mutter.
• Wer kocht daheim?

Die Ente und die Beilagen werde ich machen. Aber alle helfen auch in der Küche und beim Anrichten. Wir sind ja vom Fach, das ist dann eher der gelassenere Part beim Fest.
• Tipps gegen Küchenstress

Man sollte sich auf keinen Fall aus der Ruhe bringen lassen. Es passiert jedem mal, dass etwas nicht gelingt.

Ich würde auch nicht alles erst am Tag des Festessens machen, sondern am Vortag zum Beispiel die Gans schon mal füllen. Und Rotkohl schmeckt ja auch besser, wenn er einen Tag vorher gekocht wurde.

Rainer Holzhauer, Koch und Gastro-Unternehmer (Grischäfer, Renthof)

Den Heiligabend verbringe ich vormittags in größerer Familienrunde und abends mit meiner Partnerin und unseren Kindern. Am 1. Weihnachtstag feiere ich wie schon seit Jahrzehnten mit meinen Gästen.
• Was gibt’s zum Fest?

Ein Überraschungsmenü: Jedes Familienmitglied kocht einen Gang und keiner weiß vorher, was es gibt. Ich selber mache dieses Jahr einen Rehrücken mit handgeschabten Spätzle, Rosenkohl und einer Birnen-Wacholdersoße.

• Wer kocht daheim?

Alle zusammen.

• Tipps gegen Küchenstress

Viel trinken... Spaß beiseite: Man sollte das kochen, was man am liebsten kocht und zu diesem Anlass keine Experimente ausprobieren. Besser sind Gerichte, die man gut vorbereiten kann, wie zum Beispiel Lachs im Blätterteig oder einen Auflauf von der Gans.

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