Brunnenanlage ist wieder in Betrieb

Speier auf Kasseler Königsplatz jetzt ferngesteuert

Der Brunnenexperte: Daniel Cicciello gestern Vormittag auf dem Königsplatz, nachdem die 36 Speier wieder in Betrieb genommen waren.
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Der Brunnenexperte: Daniel Cicciello gestern Vormittag auf dem Königsplatz, nachdem die 36 Speier wieder in Betrieb genommen waren.

Das Wetter hat es gut gemeint: Die Sonne schien am Montagvormittag, nachdem zum ersten Mal in diesem Jahr die 36 Wasserspeier auf dem Königsplatz in Betrieb genommen worden waren. Über ein Jahr ist es her, dass aus den Rüsseln, wie viele Kasseler die Speier nennen, Wasser sprudelte.

Kassel- Im vergangenen Sommer mussten die Speier abgestellt werden, weil die alte Wasseraufbereitungsanlage einen Defekt hatte.

„Es war nicht einfach, diese Anlage zu sanieren. Das ist keine Technik von der Stange“, sagt Daniel Cicciello, der bei der Stadt für die Haus- und Brunnentechnik zuständig ist. Die Brunnenanlage sei nicht nur in ihrer Gestaltung einmalig. Die Technik sei seinerzeit speziell für diesen Brunnen entwickelt worden.

Deshalb habe die komplette Wasseraufbereitung neu entwickelt und individuell für diese Brunnenanlage produziert werden müssen, heißt es in einer Presseerklärung der Stadt. Eine Reparatur der alten, abgängigen Anlage wäre unwirtschaftlich gewesen. Da mehrere Bauteile aus Italien und Fernost auf Grund der Corona-Pandemie zeitweise nicht lieferbar waren, habe die Sanierung der Brunnentechnik gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan bis in den September verzögert, so Cicciello.

Die neue Wasseraufbereitungsanlage sei auch umweltfreundlicher, so der Brunnenexperte. In der alten Anlage sei dem Brunnenwasser Chlordioxid und ein Algizid zugemischt worden, damit es aufbereitet den Wasserspeiern zugeführt werden konnte und sich kein Algenwachstum auf der Teeroberfläche des Königsplatzes bildete. Damit wurden rutschige Beläge und Geruchsbelästigungen verhindert.

Zukünftig wird das Brunnenwasser durch eine neue Technik mit einem speziellen Elektrolyseverfahren behandelt. Dadurch könne das Brunnensystem ohne Zusatz von Biozid und Chlordioxid betrieben werden, so Cicciello. Eine unfallgefährdende Algenbildung werde durch die neue Wasseraufbereitungsanlage verhindert, Rohre und technische Anlagen werden kontinuierlich von Ablagerungen gereinigt. Unterstützt wird die neue Wasseraufbereitung durch eine vorgeschaltete ebenfalls neue dreistufige Sedimentationsfilteranlage. Die Firma Greensafer GmbH aus Dreieich hat die Elektrolyseanlage für die Stadt Kassel gebaut.

Bislang musste auch jeden Morgen ein Mitarbeiter der Stadt in den Technikraum hinabsteigen, der unter dem Königsplatz liegt, um den Brunnen anzustellen. Das ist jetzt nicht mehr erforderlich. Eine moderne Mess-, Steuer- und Regeltechnik wurde installiert, die eine Fernüberwachung der Anlage ermöglicht.

Der bisher hohe Personaleinsatz vor Ort durch tägliche Inspektion und Regelung der Brunnentechnik entfalle somit, da die Anlage zukünftig vom PC aus überwacht und gesteuert werden könne, so der Brunnenexperte. Die komplette Erneuerung der Wasseraufbereitungstechnik kostet rund 100 000 Euro. Mittelfristig würden durch die Investition in die neue Technik finanzielle Mittel eingespart, heißt es bei der Stadt.

Wenn das Wetter mitspielt und es noch keinen Frost gibt, sollen die Speier bis Ende Oktober laufen, um die Anlage zu testen, so Cicciello. Und spätestens im Mai 2021 sollen die Speier dann wieder in Betrieb gehen.  (use)

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