Blick in die Vergangenheit

Wie sich der Königsplatz im Laufe der Zeit gewandelt hat

Kassel. Wieder einmal hat Kassels Herzstück sein Gesicht verändert: Auf dem Grundstück Königsplatz 40, wo ehemals das Overmeyer-Gebäude stand und am Donnerstag Sportscheck eröffnet hat, ist ein neues Geschäftshaus entstanden. Mit seiner gewölbten Fassade rundet es das Ensemble an der Nordseite des Platzes ab.

Vor der Zerstörung: Der Königsplatz um 1938. Links ist ein Teil der alten Hauptpost zu sehen. Hinter dem weißen, späteren Overmeyer-Haus sind die Türme der Martinskirche und der Druselturm zu erkennen. Archivfoto:  Hans Germandi/nh

Das Nachfolge-Gebäude der einstigen Nachkriegs-Architektur setzt einen Kontrapunkt zum benachbarten City-Point mit seiner Glasfassade, erläutern die Architekten des Kasseler Büros ANP. Die langgezogenen Fenster und die horizontal gegliederte Natursteinfassade des jüngsten Gebäudes am Königsplatz korrespondierten mit der gegenüberliegenden, 1911 erbauten Commerzbank, dem ältesten Haus am heutigen Platz.

Es war eine der Anforderungen des ausgeschriebenen städtebaulichen Wettbewerbs, eine Fassade zu entwickeln, die die bestmögliche Verbindung zum jetzigen Königsplatz eingeht, sagt der Leiter der städtischen Denkmalpflege, Heinz Kefenbaum.

Große Kaufhäuser: Neckermann und Overmeyer zählten einst zu den ersten Adressen am Königsplatz. Das Foto entstand vermutlich in den 70er-Jahren.

Keine leichte Aufgabe, denn die Architektur um das große Rund bietet ein vielschichtiges Bild. Da sind zum einen die nach dem Wiederaufbau prägenden Elemente der 50er-Jahre Architektur, andererseits klassische Teile wie die Commerzbank, die Sockelzone eines alten Bankhauses (heute Santander Bank) sowie moderne große Kaufhäuser. Die Fassadengestaltung sollte sich sowohl an der 50er-Jahre-Unterteilung orientieren als auch ein modernes großstädtisches Erscheinungsbild bieten.

Kurz nach dem Krieg: Die Türme der Martinskirche und das Dach des Druselturmes fehlen noch, das Overmeyer-Haus ist eingeschossig. Leserfotos: Gerhard Lauff /nh

Wie an dem neuen „Haus am Kö“ als auch bei dem 2012 eröffneten Modehaus Peek & Cloppenburg kann man sehen, „dass sich der Königsplatz in den letzten Jahren ein Geschoss höher entwickelt hat“, sagt Kefenbaum. Gründe seien der Bedarf für ein Technik-Geschoss und der Wunsch nach mehr Fläche im Innenstadtbereich. Aus städtebaulicher Sicht gelte es hier, abzuwägen. Die Orientierung an den Höhen der 50er-Jahre-Häuser ist eine der Vorgaben. Durch die zurückgesetzten Staffel- oder Laternengeschosse wirkten die neueren Gebäude aber höher. Kefenbaum: „Der Königsplatz hat durch das Wachsen eine andere Gestalt angenommen.“

Markttag im Jahr 1959: Damals konnten Autos den Platz noch befahren. Im Hintergrund sind Druselturm und Martinskirche zu sehen. Archivbild:  nh

Und dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen. So gebe es Anfragen und laufende Planungen, um auch 50er-Jahre-Häuser im östlichen Bereich umzubauen und eventuell aufzustocken. Die eine oder andere „Zahnlücke“ wird in absehbarer Zeit sicher zuwachsen.

Verändert hat sich auch der Platz selbst. Einst fand hier Markttreiben statt, dann kamen Straßenbahnen, Autos und die typischen 50er-Jahre-Brunnen. Nur acht Jahre stand mitten auf dem Platz eine Holztreppe (ein Relikt der documenta 9), die in einer Nacht- und Nebelaktion abgerissen wurde. Seit 2005 umrunden 36 Wasserspeier sowie ein Platanenring den Platz. Vor allem im Sommer laden dort auch Cafés und Gaststätten zum Verweilen ein.

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