Umgestaltung ab 2015

Königsstraße verdankt ihren Namen den Schweden

Kassel. Die Königsstraße soll von 2015 bis 2019 umgestaltet werden. Für Kassels Flaniermeile ist dies nichts Neues. Sie hat ihr Erscheinungsbild in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach geändert. Der große Bruch kam mit dem Zweiten Weltkrieg. Wir werfen einen Blick zurück.

Die Königsstraße entwickelte sich mit Gründung der Oberneustadt, als es innerhalb der Stadtmauern der Altstadt zu eng geworden war. Der Planer der Stadterweiterung, der französischstämmige Baumeister Paul du Ry (1649-1714), zeichnete die Straße bereits 1688 in seinen Plänen als „Grand chemin“ (große Straße) ein.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts begann die Königsstraße dann tatsächlich zu wachsen. Der Name der Straße ist ein Relikt jener Zeit, in der das hessische Fürstenhaus – wenn auch nur für kurze Dauer – europaweite Bedeutung erlangte. Denn Friedrich I. von Hessen-Kassel (1676-1751) hatte 1715 die schwedische Prinzessin Ulrike Eleonore geheiratet. Friedrich gelang es so, Einfluss auf die schwedische Regierung zu bekommen und wurde 1720 zum König gekrönt. Als dieser am 11. August 1731 zum ersten Mal nach der Krönung Einzug in Kassel hielt, setzte man dem königlichen Kasseler Sprössling mit der Benennung der neuen Straße in „Königsstraße“ ein Denkmal.

Das Pflaster der Straße war – stilecht – aus schwedischem Granit gefertigt. Dieses Granit sollte sogar bis Mitte der 1960er-Jahre, als die Königsstraße umgebaut wurde, erhalten bleiben. Aber bis es so weit war, erlebte die Königsstraße andere Zeiten. Prägend war etwa der Bau der Straßenbahnschienen. Am 8. Juli 1877 erhielt Kassel nach Paris und Kopenhagen als dritte Stadt eine Dampfeisenbahn, die zwischen der Königsstraße und Wilhelmshöhe verkehrte. Eine größere Veränderung war auch mit dem 1905 begonnenen Bau des heutigen Rathauses verbunden, an dessen Stelle vorher ein Gebäude für Ausstellungen („Messhaus“) gestanden hatte.

Die Königsstraße damals

So königlich sah die Königsstraße aus

Den schließlich radikalsten Einschnitt in der Architektur der Königsstraße sollten schließlich die Bomben des Zweiten Weltkriegs bringen. Ihnen fiel ein Großteil der Bebauung zum Opfer. Was stehen blieb, wurde im Modernitätsglauben der 50er- und 60er-Jahre abgerissen. Seinerzeit, im Jahr 1961, entstand auf der Königsstraße eine der ersten Fußgängerzonen Deutschlands. Ab dem 15. Februar 1961 hieß es für die 15 000 Autos, die seinerzeit täglich über die Königsstraße rollten, draußen bleiben. In den vergangenen 50 Jahren ist, zumindest was die Beschaffenheit der Straße angeht, nicht mehr viel passiert. Das soll sich nun ändern.

Von Bastian Ludwig

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