Körper als Modelliermasse: die Bodybuilderin Anita Heß

Beim Training: Anita Heß am Rudergerät. Foto: Dowe

Kassel/Kaufungen. Anita Heß’ Augen leuchten, wenn sie von ihrer großen Liebe erzählt. Ein Leben ohne Kraftsport kann sich die 34-Jährige nicht vorstellen: „Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent. Bodybuilding ist mehr als nur ein Sport - es ist eine Lebenseinstellung.“

Sagt sie und trägt mühelos eine massive Eisenbank durch den Raum, als sei diese aus Pappe. Große, silberne Creolen wippen an ihren Ohrläppchen. Legerer Trainingsanzug, zupackender Händedruck.

Im Dezember 2010 erfüllte sich Anita Heß, die in Kassel trainiert und in Kaufungen lebt, ihren größten Traum: Sie gewann den Titel der Miss Universe bei der Weltmeisterschaft des „National Athletic Committee (NAC) International“ in Hamburg. Der Bodybuilding-Verband richtet jährlich einen Wettkampf auf internationaler Ebene aus, der vom Ablauf einer Misswahl ähnelt. Doch wo es bei letzterer eher auf apartes Äußeres ankommt, gehört zur Teilnahme bei der renommierten Bodybuilding-Weltmeisterschaft vor allem eiserne Disziplin.

Eiweißhaltige Kost

Die 1,73 Meter große Frau wog zu Wettkampfzeiten knapp 65 Kilo bei gerade mal 12 Prozent Körperfett - 22 Prozent sind bei Frauen normal. Neben hartem Training spielt auch die Ernährung eine wesentliche Rolle auf dem Weg zum Erfolg. „Vor einem Wettkampf esse ich schon sehr eiweißreich und zähle die Kalorien. Aber ich habe ein entspanntes Verhältnis zum Essen.“ Ehrgeizig sei sie, aber nicht verbissen.

Doch es gibt auch die andere Anita Heß. Für ihren Bürojob bei der Niestetaler Firma SMA greift die gelernte Hotelfachfrau gern zu femininer Kleidung - Rock und Bluse lösen dann die Trainingskluft ab. „Dort wusste lange niemand etwas von meinem Hobby. Ich habe das nicht an die große Glocke gehängt.“

Ihre erste Begegnung mit dem Kraftsport sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Das war vor zwölf Jahren. Damals spielte sie noch Handball in ihrer Heimatstadt Rostock - bis die Neugier sie zum ersten Mal in ein Fitnessstudio zog. „Ich wollte mal etwas Neues ausprobieren“, erzählt sie. „Anfangs fand ich die dicken Jungs mit ihren Eisengeräten etwas befremdlich. Aber das hat sich schnell geändert.“ Genau wie ihr Leben. Aus Freizeitspaß wurde eine Leidenschaft. Anita Heß entwickelte immer mehr Freude daran, ihren Körper zu perfektionieren, mehr essen zu können als andere. Ein Körper als hochgradig leistungsfähiger Verbrennungsapparat. Heute trainiert sie regelmäßig in einem Kasseler Fitnessstudio.

Kampf gegen Vorurteile

„Neben dem Sport gibt es auch andere Dinge, die mir im Leben wichtig sind.“ Dazu gehören Freund Sascha Micocci mit seinen zwei Kindern, der sie auch trainiert. In ihm hat sie einen ebenbürtigen Partner gefunden. Seinetwegen zog sie im vergangenen Jahr nach Kaufungen.

Dabei passt die Sportlerin nicht in die Klischees, die über weibliche Bodybuilder kursieren. „Blöde Sprüche zu meinem Körper kommen eher von Männern“, stellt sie fest. „Die sind oft eingeschüchtert, wenn eine Frau stärker ist als sie.“ Noch immer spürt sie, dass sie sich mit ihrem Hobby in einer Männerwelt bewegt. Doch der Wille zum Erfolg war stärker als die Bedenken.

Von Kristin Dowe

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