Stefanie Burmester trainiert mit Frauen das richtige Verhalten in brenzligen Momenten

Im Ernstfall auf die Körpersprache achten

Handtaschenraub: Beim Training übt Stefanie Burmester (rechts) den Ernstfall mit Monika Sebastian. Foto: V. Koch

Kirchditmold. Eine Frau geht über die Straße. Plötzlich kommt ein Mann von hinten und reißt ihr die Handtasche von der Schulter. Vor solchen Situationen haben viele Frauen Angst.

„Vor allem im Alter trauen sie sich nicht mehr vor die Haustür“, sagt Elke Endlich vom Verein Hand in Hand. Um ihre Ängste zu verlieren, trainieren zwölf Frauen im Nachbarschaftstreff Kirchditmold mit Stefanie Burmester vom Verein Mädchenhaus Kassel ihr Verhalten in kritischen Situationen. Finanziert wird der Kurs vom Ortsbeirat. Dabei lernen die Frauen nicht nur den Situationen mutiger entgegenzutreten, sondern auch die eigene schwächere Position zu akzeptieren.

Für den Fall eines Handtaschenraubes lernen die Frauen loszulassen. „Wenn man die Tasche festhält, ist das Risiko größer umgerissen zu werden und sich dabei zu verletzten“, sagt Burmester. Damit das Loslassen einfacher fällt, kennt die Trainerin ein paar Regeln:

• In die Handtasche gehören keine Dinge mit emotionalem Wert wie Fotos und Glücksbringer. Auch große Mengen Geld und wichtige Papiere sollten nicht in der Handtasche mitgenommen werden. „Wenn man eine Kopie von seinem Ausweis dabei hat reicht das“, sagt Burmester. Außerdem sollte auf teure Handtaschenmodelle verzichtet werden.

• Wem das Loslassen trotz allem schwer fällt, kann auch einen Taschenalarm an seiner Handtasche befestigen. Bei einem Überfall wird ein Sicherungsstift aus dem streichholzschachtelgroßen Gerät gezogen und ein schriller Signalton erklingt. „Kein Dieb nimmt eine Tasche mit, wenn sie sich so anhört“, sagt Burmester.

• Allgemein sollte man in kritischen Situationen freundlich aber bestimmt bleiben. Wenn Frauen angefasst werden, sollten sie nach Angaben von Burmester auf Fragen wie „Was soll das?“ verzichten. „Eine Frage ist immer ein Gesprächsangebot“, sagt Burmester. Besser sind klare Aussagen: „Lassen Sie meine Hand los!“ So werden auch die Personen in der Nähe darauf aufmerksam, was gerade genau passiert.

• Wichtig ist es außerdem, auf seine Körpersprache zu achten. „Nicht zurück schrecken, sondern etwas nach vorne lehnen“, rät die Trainerin.

• Vielen Frauen fällt es nach Angaben von Burmester schwer „Nein“ zu sagen. Vor allem am Telefon sei das aber wichtig. „Wenn man nicht weiß, mit wem man spricht, sollte man niemals ja sagen“, erklärt sie. Im schlimmsten Fall habe man dann einem Vertrag zugestimmt.

• Am Telefon sei es außerdem besser sich nicht mit Namen zu melden, sondern nur mit einem „Hallo“. „Das ist nicht unhöflich, denn Freunde und Familie wissen bei wem sie anrufen“, sagt Burmester. Sollte dann die Frage gestellt werden: „Mit wem spreche ich?“ wird am besten mit einer Gegenfrage geantwortet: „Wen wollten Sie denn sprechen?“

Kontakt: Elke Endlich, Tel. 9 70 56 66, kirchditmold@ handinhand-kassel.de

Von Verena Koch

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