39-Jähriger nannte Namen von Lieferanten – Amtsgericht verhängt Bewährungsstrafe

Kokain-Dealer war geständig

Kassel. Wie die Jungfrau zum Kinde soll ein 39-Jähriger zum Drogenhandel gekommen sein: Als er an der Straßenbahnhaltestelle am Stern wartete, hätten ihn Drogensüchtige angesprochen und gefragt, ob er nicht Stoff zu verkaufen habe.

Und so wurde er, der bis dahin eine weiße Weste hatte, zum Kokain-Dealer. Vor dem Amtsgericht kassierte er am Mittwoch eine Bewährungsstrafe.

Sein Mandant, sagte Verteidiger Jan Hörmann, sei einer „großen Versuchung“ erlegen. Als er in das Geschäft eingestiegen sei, habe er „keine Reklame“ machen müssen, in seiner Wohnung am Messeplatz habe „ein Kommen und Gehen“ geherrscht, an manchen Tagen hätte der 39-Jährige etwa 20 Portionen Kokain verkauft. Da es laut Anklage mit einem Wirkstoffgehalt von teilweise um die 50 Prozent sehr gute Qualität hatte, konnte er es mit Milchpulver strecken. Das Gramm kostete 36, später 38 Euro. Der Gewinn, den der Dealer aus diesen Geschäften erwirtschaftete, summierte sich auf über 66 000 Euro. Die Polizei kam dem Händlernetzwerk irgendwann auf die Schliche und hörte Telefongespräche des Angeklagten ab. Darin wurden Lieferungen für neue Drogen dann als DVD-Bestellungen deklariert.

Bei einem Geschäft im September vergangenen Jahres wurden der 39-Jährige und sein Lieferant festgenommen. Er legte ein umfassendes Geständnis ab, offenbarte nicht nur seine eigenen Taten, sondern auch die Namen einiger Lieferanten, die daraufhin dingfest gemacht wurden. Die Staatsanwaltschaft belohnte ihn damit, dass sie – obwohl er bereits seit Jahren mit Drogen handelte – die Anklage auf die letzten zehn Taten beschränkte.

„Ich weiß, dass es ein großer Fehler war, ich werde das nicht wieder machen“, beteuerte der 39-Jährige vor Gericht. Er habe inzwischen „einen besseren Weg“ gefunden und führe „ein anderes Leben“. Er sei für eine Zeitarbeitsfirma tätig und kümmere sich um Frau und Kind. „Was in der Vergangenheit passiert ist, wird sich nicht wiederholen“, versicherte er.

Mit einem Jahr und elf Monaten auf Bewährung kam er glimpflich davon. Er muss außerdem 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Richter Klaus Döll erkannte an, dass der 39-Jährige, den Mut gehabt habe, „sich zu öffnen“ und andere Dealer zu benennen. Damit habe er sich einem gewissen Risiko ausgesetzt, da er Racheakte aus der Szene befürchten müsse.

Der Richter stellte dem Angeklagten eine günstige Sozialprognose aus: Er arbeite, sei sich für keinen Job zu schade, und seine Frau kümmere sich um ihn.

Deshalb sah Döll keinen Grund, die Aufsicht durch einen Bewährungshelfer anzuordnen.

Von Ralf Pasch

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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