Angeklagten wird auch Vergewaltigung mit Baseballschläger vorgeworfen

Kokain-Prozess zieht sich hin

Kassel. Der seit September laufende Prozess um eine mögliche Vergewaltigung unter Kokain-Dealern zieht sich ins neue Jahr. Das Kasseler Amtsgericht hat inzwischen zwei neue Termine für die Verhandlung angesetzt.

In dem Verfahren angeklagt sind ein 37-jähriger Mann, der mittlerweile in Dresden lebt, ein 44-jähriger Kasseler, sowie ein Mann aus Homberg. Alle drei sollen am 19. Mai 2011 einen jungen Mann aus dem Raum Kassel in dessen Wohnung heimgesucht haben, um die Rückzahlung von 10 000 Euro Schulden aus Jahre zurückliegenden Kokain-Geschäften zu fordern. Zwei der Männer sollen den Mittzwanziger gepackt, der Dritte ihm schließlich den Griff eines Baseballschlägers rektal eingeführt haben. Die Wohnung sollen die drei dann mit den Worten „Vergiss nicht, deine Schulden zurückzuzahlen!“ verlassen und dabei ein Laptop mitgenommen haben.

Die Angeklagten schweigen zu den Vorwürfen. Ihre Verteidiger ziehen die Glaubwürdigkeit des Mittzwanzigers in Zweifel, der Nebenkläger im Prozess ist. Der junge Mann selbst ist mehrfach als Zeuge gehört worden und hat dabei mehrfach Details früherer Aussagen bei der Polizei oder vor Gericht zurückgenommen oder korrigiert.

Der Prozess ist in etlicher Hinsicht ungewöhnlich verlaufen: In der Anklageschrift war der Vorfall vom 19. Mai als gefährliche Körperverletzung und Nötigung eingestuft worden. Am dritten Verhandlungstag dann entschied das Gericht, die Angeklagten seien dringend tatverdächtig, eine schwere sexuelle Nötigung und einen Raub begangen zu haben - und nahmen die drei in Untersuchungshaft. Erst danach wurden vonseiten der Verteidigung Beweisanträge gestellt, die auf Alibis für den Maitag abzielten.

Seither hat das Gericht noch einige Zeugen und einen medizinischen Sachverständigen gehört. Auch das Sofa des Nebenklägers wurde - Monate nach der Tat - wegen möglicher Spuren in den Fokus genommen.

Die Anwälte der Angeklagten haben mehrfach ihren Unmut darüber geäußert, dass das Gericht zwischen Verhandlungstagen über Polizisten weitere Fragen an den Nebenkläger hat stellen lassen. Dieser befindet sich in einem Zeugenschutzprogramm und ist schwer krank.

Bis zu den nächsten Verhandlungstagen wollen die Anwälte nun noch Einsicht in Akten anderer Prozesse nehmen, in denen der Nebenkläger gegen Kokain-Dealer ausgesagt hat. Mit einem Urteil wird nicht vor Mitte Januar gerechnet.

Von Katja Schmidt

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