Kommentar zur Anti-Ostpreußen-Demo: "Aktion schoss über Ziel hinaus"

Katja Rudolph

Kassel. Die etwa 5000 Besucher des Deutschlandtreffens der Landsmannschaft Ostpreußen wurden am Sonntag vor den Kasseler Messehallen von circa 40 Demonstranten empfangen. Zwischen den beiden Lagern entbrannten schnell hitzige Diskussionen. Dazu ein Kommentar von HNA-Redakteurin Katja Rudolph.

Lesen Sie auch:

Aggressive Debatten und Festnahme bei Demo gegen Ostpreußen-Treffen

Es ist bald 70 Jahre her, dass Hunderttausende durch den von Nazi-Deutschland verursachten Weltkrieg ihre Heimat in Ostpreußen verlassen mussten. Sie haben Schlimmes erlebt. Hunger, Not, Vergewaltigung. Die Wunden über den Verlust der Heimat verheilen bei vielen nie. Das konnte man auch beim Treffen der Ostpreußen beobachten. Dort waren überwiegend alte Menschen, die noch heute mit der Verarbeitung ihrer Erlebnisse beschäftigt sind und ein Stück Heimat zelebrieren wollen.

Der Vorwurf der Demonstranten, dass sich am Rande von Vertriebenenorganisationen oft auch Neonazis tummeln, mag zutreffen. Manche Rede der Landsmannschaft ist grenzwertig, weil die Schuld der Deutschen nur im Nebensatz vorkommt. Die Aktion vor den Messehallen schoss dennoch über das Ziel hinaus. Sie hat vor allem Menschen tief getroffen, deren Leben ohnehin von einer großen Verletzung geprägt ist. Richtig ist, dass wir alle uns gegen rechtes Gedankengut wehren sollten. Aber es ist armselig, Menschen, die unter dem Krieg gelitten haben, pauschal als rechtsradikal darzustellen.

Schreiben Sie eine E-Mail an die Autorin: rud@hna.de

Video: Demonstration gegen Ostpreußen-Treffen

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.