Kommentar zum Einfrieren von Eizellen bei Krebs: "Doppelt bestraft"

Weil die Chemotherapie die Gefahr von Unfruchtbarkeit birgt, wollen viele Krebspatientinnen im Vorfeld Eizellen einfrieren lassen. Doch Krankenkassen zahlen das nicht. Ein Kommentar von HNA-Redakteurin Anja Berens.

Die Diagnose Krebs verändert alles. Sich in der Sorge um das eigene Leben auch noch Gedanken um neues Leben zu machen, das liegt für die meisten Betroffenen vermutlich ziemlich fern. Und doch gilt es für junge Patienten, die Frage nach Kinderwunsch und Familienplanung noch vor der Krebstherapie zu beantworten– denn diese kann dazu führen, auf natürlichem Wege keine Kinder mehr bekommen zu können.

Dass das vorsorgliche Einfrieren von Ei- und Samenzellen Leistung der Krankenkassen sein sollte, dieser Wunsch betroffener Krebspatienten ist nachvollziehbar. Zumindest anteilig. Denn auch in Fällen ungewollter Kinderlosigkeit – und davon sind in Deutschland mehr als sechs Millionen Menschen betroffen – übernehmen die Kassen die Hälfte der Kosten der Fruchtbarkeitsbehandlung.

Bei Krebspatienten geht es nicht um das höchst fragwürdige Ansinnen junger Frauen, ihren Kinderwunsch der Karriere wegen im Wortsinne auf Eis zu legen. Für die Betroffenen, die aufgrund ihrer schweren Erkrankung und der dadurch womöglich ins Wanken geratenen Lebensplanung doppelt bestraft sind, muss eine neue Rechtsgrundlage her.

Ob man die Methoden der Reproduktionsmedizin in Anspruch nehmen will – diese moralische Frage muss jeder für sich beantworten. Aber wer diese Chance nutzen will, um nach einer Krebserkrankung noch eine Familie zu gründen, sollte zumindest aus Kostengründen nicht davon abgehalten werden.

Rubriklistenbild: © Schäfer

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