Neues Stück auf der Huskies-Bühne

Kommentar: Noch ein irrer Akt im absurden Theater

Das Sommertheater um die Kassel Huskies hat bereits begonnen. Diesmal die Protagonisten auf der Bühne: Unternehmer Dennis Rossing, CDU-Fraktionsvorsitzender Norbert Wett und SPD-Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Ein Kommentar von Uli Hagemeier, Redaktionsleiter Lokalredaktion Kassel.

Manchmal fragt man sich, ob man es beim Kasseler Eishockey immer mit Erwachsenen zu tun hat: Da sagt doch der Huskies-Eigner, er habe jetzt keine Lust mehr zum Spielen, weil jemand behauptet habe, er sei ein „lahmer Gaul“. Deshalb bürge er nicht für die Huskies, wodurch der Club mal wieder vor dem Aus gestanden hätte (Wie oft stand er dort eigentlich schon?).

Derjenige, der Dennis Rossing einen Gaul genannt hat, ist Norbert Wett. Er ist Fraktionsvorsitzender der CDU, einer momentan weder personell noch inhaltlich bedeutenden Gruppe. Wett versichert, er habe eigentlich Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) treffen wollen. Aber er bittet Rossing trotzdem um Entschuldigung - dazu hatte Hilgen ihn auch aufgefordert.

Spielte so etwas im Fernsehen, hielte man den Drehbuchschreiber für meschugge. Aber in Kassel ist das Wirklichkeit. Die Handelnden sind: Dennis Rossing, der mithilfe von Abschreibungen, EU-Förderung und der Stadt als Mieter die Salzmann-Ruine sanieren wollte, dazu noch eine Multihalle bauen (Gesamtinvestition 80 Mio. Euro), zumindest aber die Eishalle sanieren (14 Mio.).

Lesen Sie auch:

Rossing entscheidet oft erst zum Fristablauf

Mietvertrag in trockenen Tüchern, Planungen für nächste Spielzeit laufen

Eishalle: Hilgen zeigt Verständnis für Rossing

Eissporthalle: Rossing zieht sich aus Eishockey-Engagement zurück

Rossing-Rückzug: Stadt reagiert mit Unverständnis und Bedauern

Außerdem spielt mit: Der Oberbürgermeister einer 200.000-Einwohner-Stadt, der die Rettung Salzmanns, der Multihalle und der Huskies immer mal wieder zur Chefsache erklärte. Für Salzmann sollte es einen Mietvertrag über 25 Jahre geben, für die Halle einen Millionen-Zuschuss. Die Unterstützung für die Huskies beschränkte sich dann aber im Wesentlichen auf Fototermine, wenn es mal was zu feiern gab. Und jetzt auf die Forderung, Wett möge Rossing um Entschuldigung bitten. Ein Ross(ing) ist halt kein Gaul.

Und so kommt auch Norbert Wett zu einer Hauptrolle: Der Bundestagskandidat, bisher noch ein Nebendarsteller in der Politik, hat sich nun zumindest bei den Huskies-Fans einen Namen gemacht. Einige kannten ihn schon aus dem Kommunalwahlkampf 2011, als die CDU, das eigene Scheitern vor Augen, dem OB vorgeworfen hatte, für Kulturzelt und Fuldaweg Geld auszugeben, aber nicht fürs Eishockey. Die Aktion war genauso gescheitert wie die Wahl.

Man mag kaum glauben, dass wegen der jüngsten Kindereien die Zukunft eines mittelständischen Unternehmens auf dem Spiel stand, dessen Angestellte vor wenigen Wochen Tausende Eishockey-Fans begeistert haben. Vielleicht war CDU-Mitglied Rossing einfach nur enttäuscht, dass die Kasseler Union ihn und seine Pläne nie unterstützt hat.

Dieses Stück war jedenfalls eines der absurdesten auf der an absurden Stücken nicht gerade armen Huskies-Bühne. Eitelkeit und die Versuche, sich politische Vorteile zu verschaffen oder zumindest in der Öffentlichkeit zu glänzen, waren leider zu häufig die Motivationen der Hauptdarsteller. Und jetzt können sich zumindest die aktuellen drei selbst als Retter des Kasseler Eishockeys feiern. Glückwunsch. Fortsetzung folgt.

Von Uli Hagemeier

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.