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Kommentar über die Methoden der Sexual-pädagogik: "Toleranz statt Details"

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Katja Rudolph über die Methoden der Sexual-Pädagogik © Privat

Die Kasseler Soziologin Prof. Elisabeth Tuider fordert praktische Übungen im Sexualkundeunterricht. Ihrer Meinung nach geht eine zeitgemäße sexualpädagogische Aufgabenstellung über die Beschreibung der Befruchtung und die Aufklärung über Geschlechtskrankheiten hinaus. Dazu ein Kommentar von HNA-Redakteurin Katja Rudolph.

Mit der Aufklärung und dem Sprechen über Sexualität tun sich viele Erwachsene ihren eigenen Kindern gegenüber schwer - und umgekehrt genauso. Umso wichtiger ist Sexualkunde im Schulunterricht. Aber was soll dort thematisiert werden und was nicht?

In einer Welt, in der wir alle in Werbung und Medien von freizügigen Bildern und dem Thema Sex umgeben sind, in der wochenlang das Coming-out des homosexuellen Fußballers Thomas Hitzlsperger Thema ist und in der im Internet alle möglichen Sex-Praktiken in jedem Detail nur ein paar Klicks entfernt sind, haben natürlich auch Kinder andere Fragen.

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Es ist wichtig, dass sie diese offen stellen können und Antworten bekommen. Und es ist unbedingt nötig, dass Sexualpädagogen sich auf diese Themen und den Umgang damit vorbereiten. Was aber sollen da Übungen bringen, in denen Kinder und Jugendliche in einer Selbstverständlichkeit mit Bordellen, Sexspielzeugen und diversen sexuellen Praktiken konfrontiert werden? Ich wusste bis zur Lektüre des Kasseler Fachbuchs nicht, was Vaginalkugeln und gang-bang sind. Dennoch halte ich hetero- und homosexuelle Liebe für gleichwertig und habe kein Problem damit, wenn Männer sich als Frau fühlen und ihr Geschlecht umwandeln lassen.

Verständnis für die Vielfalt der Lebens- und Liebesformen weckt man nicht mit allen intimen Details jeglicher vorstellbarer Sexpraktik. Im Gegenteil wird man viele 13- oder 14-Jährige damit eher verstören. Für ein tolerantes und offenes Menschenbild müssen Schüler nicht zu Sexexperten werden.

Schreiben Sie eine Email an die Autorin: rud@hna.de

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