Kommentar zum Vergewaltigungsvorwurf in der JVA: Nicht alles fadengerade

Kassel. Die Vorwürfe sind ungeheuerlich: Eine 50-Jährige behauptet, dass sie im April 2010 in der Krankenabteilung der Justizvollzugsanstalt I in Wehlheiden von mehreren Männern zwei Mal betäubt und brutal vergewaltigt worden ist. Ein Kommentar von HNA-Redakteurin Ulrike Pflüger-Scherb.

Ulrike Pflüger-Scherb über das Ermittlungsverfahren

Die Behauptungen der 50-jährigen Frau, die im April 2010 im Krankenhaus des Gefängnisses in Wehlheiden behandelt wurde, wirken unvorstellbar: Eine Inhaftierte wird von mehreren Männern betäubt und vergewaltigt. Und die Männer sollen dabei Hilfe von Bediensteten der JVA gehabt haben.

Um die Glaubwürdigkeit der Frau wäre es besser bestellt, wenn sie sich direkt an die Gefängnisleitung gewendet hätte. Außenstehende können es immer nur schwer nachvollziehen, wenn sich Opfer sexueller Gewalt erst nach Wochen offenbaren.

E-Mail an die Autorin: 

use@hna.de

Diese durchaus berechtigte Skepsis rechtfertigt aber noch lange nicht, dass sich in dem Ermittlungsverfahren, das seit über einem Jahr von der Staatsanwaltschaft Kassel geführt wird, offenbar nichts tut. Im Gegensatz zu Vergewaltigungen, die im öffentlichen Raum stattfinden, lässt sich in diesem Fall leicht ermitteln, welche Zeugen sich in Nähe des vermeintlichen Tatorts aufgehalten haben. Was haben die Bediensteten und Mithäftlinge zu den Anschuldigungen gesagt?

Lesen Sie dazu auch: 

Vergewaltigung hinter Gittern? Ex-Gefangene erhebt schwere Vorwürfe

Eigentlich sollte es im Interesse der Staatsanwaltschaft liegen, das Ermittlungsverfahren so schnell wie möglich abzuschließen. Das wäre – sollte an den Vorwürfen nichts dran sein – auch im Sinn dieser skandalerfahrenen JVA.

Dass in Wehlheiden nicht immer alles fadengerade läuft und ein Mörder auch schon mal von Bediensteten in Bereiche gelassen wird, in denen er nichts zu suchen hat, ist mittlerweile ja bekannt. Im Februar 2011 überraschte der Zahnarzt der JVA schließlich einen Häftling, der im Knast-Wartezimmer Sex mit einer weiblichen Gefangenen hatte. (use)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.