Kommentar zur Wahl in Kassel: Klarer Verlierer ist die CDU

In einer Hinsicht könnte man alle sechs OB-Kandidaten als Verlierer betrachten: Fast 60 Prozent der Wahlberechtigten hielten keinen für würdig, Chef im Rathaus zu sein. Bertram Hilgen wurde im ersten Wahlgang wiedergewählt, aber von 143 800 Wahlberechtigten sind nur 31 200 für eine zweite Amtszeit.

Vor sechs Jahren hatte er 1000 Stimmen mehr. Oder haben die Nichtwähler so ihre Zufriedenheit ausgedrückt? Ja, bei sechs Kandidaten verteilen sich die Stimmen auf viele Köpfe. Doch da für die größte Oppositionspartei CDU mit Ernst Wegener ein zwar sympathischer, aber bei politischen Themen erschreckend schwacher Kandidat angetreten ist, gilt: Nicht Hilgen hat die Wahl gewonnen, die CDU hat sie krachend verloren.

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Die Union, bei den Stadtverordneten wohl nur noch drittstärkste Kraft nach SPD und Grünen, muss sich fragen lassen, ob sie überhaupt Politik gestalten will. Hilgen und die von ihm geführte Verwaltung haben Fehler gemacht - zuletzt bei Salzmann und bei den Unterkunftskosten für Hartz-IV-Empfänger. Die CDU hat das ignoriert. Sie hatte vorsichtshalber kein brauchbares Thema im Wahlkampf.

Der Wahlabend im Kasseler Rathaus

Nur einen Kandidaten aus Wiesbaden, den kaum jemand kennt. Es war taktisch unsinnig: Gegen den Amtsinhaber, Verwaltungsmann, Mitte 50, der mit Kultur punkten will, stellte die CDU einen Verwaltungsmann, Mitte 50, der nur mit Kultur punkten kann, aber Kassel nicht kennt. Dabei ist Parteichefin Eva Kühne-Hörmann alles andere als taktisch ungeschickt.

Es steckt wohl Kalkül dahinter: Bei der nächsten OB-Wahl ist sie möglicherweise nicht mehr Ministerin und kann dann hier antreten. Da wäre es schlecht, wenn jetzt ein CDU-Mann aus Kassel Kraft und Profil gewönne. Falls die Union so weitermacht, werden dann jedoch noch weniger Menschen wissen, warum man diese Partei wählen soll.

Von Uli Hagemeier

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