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Verfahren gegen 36-jährigen Mann aus Kassel wegen schwerer Brandstiftung

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Dachgeschoss in Flammen: Ein 36-jähriger Mann soll das Feuer in der Mittelfeldstraße 23 in Rothenditmold am 5. August 2021 gelegt haben.
Dachgeschoss in Flammen: Ein 36-jähriger Mann soll das Feuer in der Mittelfeldstraße 23 in Rothenditmold am 5. August 2021 gelegt haben. © Feuerwehr Kassel

Am Montag hat vor dem Kasseler Landgericht ein Verfahren gegen einen 36-jährigen Mann wegen schwerer Brandstiftung in Rothenditmold begonnen.

Kassel – Wenn sie den Alarm der Feuerwehr höre, dann zucke sie zusammen. Wenn sie den Geruch von Qualm wahrnehme, dann bleibe sie erst mal stehen, sagte am Montag eine 49-jährige Zeugin vor dem Kasseler Landgericht aus. Dort muss sich vor der elften Großen Strafkammer ein 36-jähriger Mann aus Kassel wegen schwerer Brandstiftung verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, in der Nacht zum 5.  August vergangenen Jahres Feuer auf dem Dachboden eines Mehrfamilienhauses in der Mittelfeldstraße in Rothenditmold gelegt zu haben. In dem Haus, in dem er damals selbst gewohnt hat. Laut Anklage hat er Brandbeschleuniger auf dem Dachboden verteilt und dann entzündet. Mit dem Feuer habe der Mann auf sich und seine Schlafstörungen aufmerksam machen wollen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 36-Jährige, der an einer schizotypen Störung leide, das Feuer im Zustand verminderter Schuldfähigkeit gelegt hat. Deshalb soll die elfte Strafkammer nun prüfen, ob die Voraussetzungen einer Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus vorliegen. Der Mann stelle nämlich eine Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Am ersten Verhandlungstag wurden mehrere Polizisten, Nachbarn und ein Zeitungsausträger der HNA vernommen. Dem 49-jährigen Torsten Rämisch ist es wohl zu verdanken, dass keiner der zehn Hausbewohner, die in der Nacht anwesend waren, bei dem Brand verletzt worden ist. Der Zeitungsausträger hatte die Flammen, die aus dem Dachstuhl schlugen, gegen 3.45 Uhr entdeckt. „Ich habe meine Tasche fallen lassen, die Feuerwehr angerufen und die Leute rausgeholt“, sagte Rämisch aus. Er klingelte bei allen Parteien und rief: „Kommt alle raus, euer Haus brennt.“

Sie sei dem Zeitungsausträger sehr dankbar, sagte die 49-jährige Bewohnerin. Über den 36-jährigen Nachbarn, der das Feuer gelegt haben soll, wusste die Frau nicht viel zu berichten. Sie habe ihn vielleicht zwei bis drei Mal im Jahr im Flur getroffen und dann „Hallo“ gesagt. Sie habe gewusst, dass der Mann oft in der Nachtschicht gewesen sei. Eine andere Nachbarin berichtete, dass der 36-Jährige bei der Deutschen Bahn gearbeitet haben soll.

Aus einem Schreiben der Vitos-Klinik in Haina, wo sich der Angeklagte derzeit befindet, geht hervor, dass der Mann ein Einzelgänger ist, der kein Interesse an dem Austausch mit anderen Menschen hat. Der Mann leide seit Jahren unter Schlafstörungen, las der Vorsitzende Richter Senger aus dem Schreiben vor.

Dass es dem 36-Jährigen nach dem Brandanschlag nicht gut ging, berichtete auch eine Polizeibeamtin vom Revier Mitte. Dort war der 36-Jährige am frühen Morgen des 5. August erschienen, um sich „zu stellen“, weil er „etwas angezündet habe“, wie er der Polizistin sagte. Der Mann habe einen verzweifelten Eindruck gemacht, geschwitzt und sei kreidebleich gewesen.

Auf der Anklagebank wollte er sich nicht zu dem Geschehen in der Nacht äußern. Er verfolgte den Großteil der Verhandlung mit verschränkten Armen vor der Brust. Der Prozess wird am Freitag, 11. März, fortgesetzt. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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