Entwicklung der Fotovoltaik in Kassel war zuletzt unterdurchschnittlich

Kommt in Kassel Solarpflicht für Neubauten?

Viele Kasseler Dächer würden sich für Fotovoltaik eignen: Trotzdem bleibt der Zubau der Anlagen in Kassel hinter dem Schnitt deutscher Städte zurück.
+
Viele Kasseler Dächer würden sich für Fotovoltaik eignen: Trotzdem bleibt der Zubau der Anlagen in Kassel hinter dem Schnitt deutscher Städte zurück.

Die Stadt Kassel will bis 2030 klimaneutral werden. Dabei wird auch die Solarenergie eine wichtige Rolle spielen, da etwa Windräder im Stadtgebiet nicht möglich sind. Vergangenes Jahr sind aber nur 154 Fotovoltaik-Anlagen installiert worden – das entspricht einem Zuwachs um fünf Prozent gegenüber 2019.

Kassel - Der durchschnittliche Zuwachs an Fotovoltaik-Anlagen in deutschen Städten liegt bei 6,4 Prozent. Dies geht aus Zahlen der Bundesnetzagentur hervor, die vom Solaranlagen-Preisvergleich Selfmade Energy aus Berlin ausgewertet wurden.

Tim Rosengart von Selfmade Energy spricht von einer unterdurchschnittlichen Entwicklung in Kassel. Vor dem Hintergrund der Kasseler Klimaschutz-Ambitionen und der Tatsache, dass hier – etwa durch SMA und Fraunhofer – ein Kompetenzzentrum auf diesem Gebiet besteht, ist eine solche Einschätzung aus der Branche ein kleiner Affront für die Rathauspolitik.

Aktuell sind auf Kassels Dächern fast 3300 Anlagen im Betrieb. Zumindest sind so viele bei der Bundesnetzagentur registriert – nicht mit gezählt sind kleine Fotovoltaik-Module, wie sie etwa auf Wohnwagen zum Einsatz kommen. Vor zwei Jahren wurden alle Betreiber aufgefordert, ihre Anlagen in dem neuen Marktstammdatenregister anzumelden.

Aber wie bewertet die Stadt Kassel die schleppende Entwicklung? Der Ausbau der Fotovoltaik sei ein „zentraler Baustein“ der Umsetzung des Beschlusses der Stadtverordneten zur Klimaneutralität in Kassel bis zum Jahr 2030, sagt eine Rathaus-Sprecherin. Daher sei der Stadt an einem starken Zuwachs der Fotovoltaik gelegen. Es bestehe jedenfalls ein „erhebliches Potenzial“ für Dachflächen. Freiflächenanlagen seien im Stadtgebiet nicht zu realisieren.

Dafür, dass es nicht schneller vorangeht, macht man im Kasseler Rathaus vor allem Berlin verantwortlich. Letztlich sei es die Bundesgesetzgebung, die den Ausbau maßgeblich bestimme. Diese hat aus Sicht der Stadt zuletzt Hürden eingeführt, die den Zubau eher gebremst hätten.

Aufgrund der aktuellen Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes EEG erhofft sich die Stadt Kassel aber einen Ausbauschub, der auch im Stadtgebiet zum Tragen kommen werde. So werde das Mieterstrom-Modell vereinfacht, bei dem Strom durch Fotovoltaik-Anlagen in räumlicher Nähe zu den Abnehmern produziert wird, ohne zuvor in öffentliche Leitungsnetze eingespeist zu werden.

Um als Kommune die Entwicklung zusätzlich anzuschieben, hat die Stadt mehrere Projekte angestoßen. So wurde auf der städtischen Internetseite jüngst der Solardachfinder aktualisiert. Mit diesem können Hauseigentümer eine erste Einschätzung zur Eignung ihrer Dachflächen zur Nutzung von Sonnenenergie erhalten. Der Service ist über das Stichwort „Solardachfinder“ auf der Seite der Stadt Kassel zu finden.

Zudem soll der Ausbau der Solarenergie auf städtischen Dächern vorangetrieben werden. Auf jedem neuen Gebäudedach werde eine Anlage installiert, so die Sprecherin. Dabei arbeite man mit Bürgerenergiegenossenschaften und der Kasseler CDW-Stiftung zusammen.

Ein Förderprogramm für private Hausanlagen will die Stadt nicht auflegen. Diese seien auch so für die Betreiber wirtschaftlich. Allerdings würden aktuell weitere Schritte rechtlich geprüft. Darunter die Möglichkeit einer Solarpflicht für Neubauten. (Bastian Ludwig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.