Vier Mitglieder aus den Jahrgängen 2001 und 2002

Von der Schule in die Sitzung: Sie sind die Jüngsten in den Ortsbeiräten

Macht gerade Abitur: Maximilian Schäfer ist der jüngste Kandidat, der bei der Kommunalwahl in einen Ortsbeirat gewählt worden ist. Er ist in Bettenhausen für die CDU angetreten.
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Macht gerade Abitur: Maximilian Schäfer ist der jüngste Kandidat, der bei der Kommunalwahl in einen Ortsbeirat gewählt worden ist. Er ist in Bettenhausen für die CDU angetreten.

Gerade in Ortsbeiräten sind häufig langjährige Stadtteilvertreter aktiv. Aber es gibt auch junge Leute, die sich engagieren. Wir stellen die vier jüngsten Mitglieder vor, die gerade in die Ortsbeiräte gewählt worden sind.

Er ist der Jüngste: Maximilian Schäfer (18) will sich für seine Heimat Bettenhausen einsetzen

Für Maximilian Schäfer stand nie außer Frage, dass sein Weg in die Politik führen wird. „Politik gehörte zuhause immer dazu“, sagt er. Aber eines ist dem 18-Jährigen mit Blick auf sein politisches Engagement ganz wichtig: „Ich mache das für mich selbst, nicht für meinen Vater oder irgendwen anderes.“

Maximilian Schäfer ist der jüngste Kandidat, der bei der Kommunalwahl in einen Ortsbeirat gewählt worden ist. Auch sein Vater Oliver Schäfer war dort bereits aktiv. In seinem Heimatstadtteil Bettenhausen hat Maximilian Schäfer für die CDU kandidiert und erhielt die drittmeisten Stimmen. Politisch ist er schon länger aktiv, seit einigen Wochen auch als Vorsitzender der Jungen Union, der er 2018 beigetreten ist.

Zur Ortsbeiratswahl ist der 18-Jährige, der gerade sein Abitur an der Albert-Schweitzer-Schule macht, angetreten, weil ihm seine Heimat wichtig ist. „Wenn einen etwas interessiert, ist das Alter unwichtig“, sagt er.

Ob er damit gerechnet hat, gewählt zu werden? „Gerechnet nicht, aber gehofft habe ich es schon“, sagt der Schüler. Die Auszählung der Kommunalwahl hat er dann während seiner letzten Schulwoche verfolgt. „Da hat man schon immer mal auf die Internetseite geschaut“, sagt er. Schäfer hat unter anderem Politik als Leistungskurs. Deshalb hätten sich auch viele seiner Freunde und Mitschüler für den Ausgang der Wahl interessiert. Viele hätten auch über die sozialen Medien mitbekommen, dass er kandidiert. Als am Mittwoch das Ergebnis feststand, hat Maximilian Schäfer dann nicht nur aus seinem politischen Umfeld, sondern auch von Mitschülern Glückwünsche bekommen. Was ihm bei seinem Engagement für Bettenhausen wichtig ist? Viele Bettenhäuser seien unzufrieden, weil das Geld, das im Stadtteil erwirtschaftet wird, oft nicht dort verwendet werde. „Man hat immer noch das Gefühl, dass Bettenhausen hinter anderen Stadtteilen zurücksteht“, beschreibt es Schäfer. Er will sich dafür einsetzen, dass die Voraussetzungen im Kasseler Osten dieselben werden wie im Westen der Stadt.

Auch wenn er zum Studium irgendwann in eine andere Stadt ziehen muss, will der 18-Jährige seinen Lebensmittelpunkt in den kommenden Jahren in seiner Heimatstadt belassen. Ein Jurastudium wäre vielleicht etwas, das ihn interessieren würde.

Auf jeden Fall liegt ihm der Bettenhäuser Dorfplatz am Herzen. „Ich möchte einfach, dass der Platz wieder die Atmosphäre bekommt, die er in meiner Kindheit hatte“, sagt Maximilian Schäfer, der unweit des alten Ortskerns aufgewachsen ist. Mittlerweile habe sich in der Gegend viel verändert. Viele Anwohner würden die Lärmbelästigung kritisieren und überlegen, deshalb dort wegzuziehen. „Da etwas zu verbessern, das ist mein Ziel“, sagt Schäfer.

Cindy Gutjahr sitzt für AUF-Kassel im Ortsbeirat Rothenditmold.

Ihre Heimat ist ihr wichtig: Cindy Gutjahr (19) ist für AUF-Kassel gewählt worden

Für Cindy Gutjahr ist die Kandidatur für den Ortsbeirat ein Stück weit auch ein persönliches Anliegen. „Rothenditmold ist meine Heimat. Ich kenne hier jede Ecke“, sagt sie. Wegziehen möchte sie auf keinen Fall. Auch für ihre Zukunft hat die 19-jährige Schülerin, die gerade an der Arnold-Bode-Schule ihren Realschulabschluss macht, schon konkrete Pläne: eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin und anschließend eine Bewerbung bei der Feuerwehr.

Der Kontakt zum Wahlbündnis AUF-Kassel entstand im vergangenen Jahr eher zufällig. „Ich bin in der Politik noch nicht so der Profi“, sagt Cindy Gutjahr. „Aber man bekommt von den Erfahrenen im Ortsbeirat sicher Unterstützung, um sich dort bald einzufinden. Das traue ich mir dann auf jeden Fall zu.“

Besonders wichtig in Rothenditmold ist Cindy Gutjahr die Entwicklung der Blüthlinde, weil auch ihre Eltern dort einen Garten haben. Für den Erhalt der dortigen Gärten will sie sich stark machen. „Ich glaube, dass man aus der Fläche, die derzeit in großen Teilen brach liegt, so viel mehr machen kann“, sagt sie. Auch dem gesamten Stadtteil würden aus ihrer Sicht mehr Grünflächen guttun.

Einige ihrer Freunde hätten erst gefragt, was es mit ihrer Kandidatur und dem Ortsbeirat auf sich habe. Cindy Gutjahr sagt, dass sie vielen im Stadtteil von ihrer Kandidatur berichtet und erklärt habe, warum es wichtig ist, wählen zu gehen. Dass die Wahlbeteiligung in Rothenditmold trotzdem zu den niedrigsten in Kassel zählt, findet sie enttäuschend.

Gerade, weil viele neu in den Stadtteil zögen, würden ihnen vielleicht die Belange dort erst mal nicht ganz so wichtig sein. „Gerade da ist entscheidend, auch die mitzunehmen“, sagt Gutjahr.

Otis Paetz (Grüne) ist Mitglied im Ortsbeirat Wesertor. 

Die Welt besser machen: Otis Paetz (Grüne) ist Mitglied im Ortsbeirat Wesertor. 

Otis Paetz ist erst im vergangenen Jahr ins Wesertor gezogen, zuvor hat er mit seiner Familie an Brasselsberg gewohnt. Der Hauptgrund für ihn war, dass er so schneller an der Uni ist, wo der 19-Jährige seit dem Herbst Geschichte und Politik studiert. Im vergangenen Frühjahr hat er Abitur an der Friedrich-List-Schule gemacht.

Den Unterschied zwischen Brasselsberg und Wesertor beschreibt der Student als deutlich spürbar, was er aber keinesfalls negativ meint. Im Wesertor sei es oftmals „viel persönlicher“, findet er. Bedenken, was die sozialen Unterschiede zwischen den beiden Stadtteilen angeht, hat Paetz nicht. Das sei ihm nie negativ aufgefallen.

Wie er in die Politik gekommen ist? „Ursprünglich mit dem Gedanken, die Welt ein bisschen besser machen zu wollen“, sagt Paetz, der sich bereits seit der Europawahl 2019 in der Grünen Jugend engagiert. „Wesertor ist ein junger, studentischer Stadtteil, dessen Interessen ich, denke ich, gut repräsentieren kann“, sagt Paetz. Er will sich für bestehende Projekte wie die Parkourhalle und den Kinderbauernhof einsetzen. Er könnte sich aber auch beispielsweise mehr Graffitifreiflächen im Stadtteil vorstellen.

Außerhalb der Grünen Jugend ist Paetz’ Freundeskreis eher unpolitisch. „Kann gut sein, dass viele das noch nicht mitbekommen haben“, sagt er. Ob er sich langfristig eine Karriere als Politiker vorstellen kann? Da sieht sich der Student eher in einer beratenden Funktion in einem Ministerium.

Schade findet er, dass nicht mehr jüngere Kandidaten für die Ortsbeiräte angetreten sind. „Es könnten so viel mehr sein“, sagt er. Den Grund sieht er vor allem darin, dass sich junge Menschen oftmals eher parteiübergreifend engagieren.

Ist auch jüngste Stadtverordnete: SPD-Politikerin Nuria Perez Rivas 

Mit Diskussionsfreude in die Stadtpolitik: Nuria Perez Rivas (20) ist für die SPD im Ortsbeirat Philippinenhof

Mit Beginn der Flüchtlingskrise hat Nuria Perez Rivas begonnen, sich vermehrt für Politik zu interessieren. Die 20-jährige Studentin, die in der Schule Politik als Leistungskurs gewählt hatte, sagt, sie war schon als Schülerin diskussionsfreudig. Keine schlechten Voraussetzungen für den Einstieg in die Politik: Seit 2018 ist sie bei den Jusos aktiv. Nuria Perez Rivas ist in Philippinenhof-Warteberg aufgewachsen. Hat 2019 Abitur an der Engelsburg gemacht. Mittlerweile studiert sie Politikwissenschaften an der Kasseler Uni.

Ihr Freundeskreis habe ihr Engagement immer „cool“ gefunden. Als sie ihren Eltern erzählt hat, dass sie als Erste in der Familie in die SPD eintreten will, waren die erst überrascht. Hätten sie aber unterstützt und es gut gefunden, dass sie sich so in die Belange vor Ort einbringen wollte. Besonders am Herzen liegt Nuria Perez Rivas die Jugendarbeit. „Ich kenne die Räumlichkeiten für junge Menschen im Stadtteil aus meiner eigenen Jugend“, sagt die 20-Jährige. „Daher weiß ich auch, wo es dort noch Bedarf gibt.“

Dass sie auch in die Stadtverordnetenversammlung einzieht, damit habe sie nicht unbedingt gerechnet, sagt Nuria Perez Rivas. Aber natürlich freue sie sich, nicht nur im Philippinenhof, sondern auch in der Stadtpolitik mitmischen zu können.

Dass der digitale Wahlkampf auch eine Chance für jüngere Kandidaten ist, dem muss auch die 20-Jährige zustimmen. Auf die Beiträge der Jusos habe es viel positives Feedback gegeben.

Schade findet es Nuria Perez Rivas, dass sich nicht mehr jüngere Menschen, gerade Frauen, in den Ortsbeiräten engagieren. „Oft ist es noch so, dass vor allem ältere Männer in den Ortsbeiräten vertreten sind.“

Ihr Vater hatte sie vor einigen Jahren mal mit zu einer Sitzung genommen, die er als Gast besuchte. Der bisherige Ortsvorsteher im Philippinenhof, Stefan Markl, habe sie und ihr politisches Engagement immer gefördert.

 

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