Kommunion für Wiederverheiratete auch bei Kassels Katholiken üblich

Kassel. Wer geschieden ist und erneut geheiratet hat, darf nach dem katholischen Kirchenrecht die Kommunion, also das Abendmahl, nicht empfangen.

Knapp 200 Priester und Diakone der Erzdiözese Freiburg haben öffentlich gemacht, dass sie gegen diese Vorschrift verstoßen und fordern eine Neuregelung. Mit ihrem Appell, wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen, stoßen die Freiburger bei den katholischen Geistlichen in Kassel auf viel Zustimmung.

„Ich unterstütze das Anliegen voll und ganz“, sagt Dechant Harald Fischer, Pfarrer an der Kirche St. Familia. Dass auch Menschen, die in zweiter Ehe verheiratet sind, die Kommunion gereicht werde, sei nicht nur in seiner Gemeinde „gängige Praxis“, sagt Fischer. „Wir können es uns nicht leisten, das Gebot der Barmherzigkeit, das auf Jesus zurückgeht, außer Kraft zu setzen, um Kirchenrecht zu befolgen.“

Das Kirchenrecht erlaube es, einen Mörder wieder zur Kommunion zuzulassen. Wer aber vor Jahrzehnten vom Ehepartner verlassen wurde und erneut geheiratet hat, dem dürfe nicht die Kommunion gereicht werden. „Das ist für einen normal denkenden Menschen nicht nachvollziehbar“, sagt Fischer.

Pfarrer Peter Strenger von der Gemeinde Herz Mariä findet es richtig, dass die Freiburger Geistlichen mit dem Thema an die Öffentlichkeit gehen und sich zu dem Verstoß bekennen.

„Das ist redlich.“ Auch er erteile Menschen in zweiter Ehe das Abendmahl, sagt Strenger. Er schließe niemanden von der Kommunion aus, denn nicht der Pfarrer, sondern Jesus lade dazu ein.

Dass das Bistum Fulda mitteilte, es gehe davon aus, dass die Priester sich loyal verhalten und es keine Bestrebungen gebe, es der Freiburger Initiative gleich zu tun, wundert Strenger: „Der Bischof kennt eigentlich die Meinung vieler seiner Pfarrer zu dem Thema.“

Auch Pfarrer Peter Bulowski (St. Elisabeth, St. Bonifatius) findet es „wünschenswert, dass Menschen, deren erste Ehe gescheitert ist, eine Zugang zur Kirche ermöglicht wird, und zwar ein vollständiger Zugang“. Er weise aber auch jetzt schon niemanden ab, der zur Kommunion kommt. Dass er damit gegen das Kirchengesetz zu verstößt, sei ihm bewusst. „Aber ich sehe in erster Linie den Menschen.“ Die Seelsorge sei wichtiger. Den Freiburger Vorstoß, den Ausschluss Wiederverheirater aufzuheben, findet Bulowski gut. „Ich würde mir von unserem Bischof wünschen, dass er uns in dieser Sache den Rücken stärkt.“

Auch viele Laien in der katholischen Kirche unterstützen die Freiburger Forderung., „Das war überfällig“, sagt Birgitta Schwansee, Sprecherin des Pfarrgemeinderats von St. Familia. In den Gemeinden sei da Problem schon lange Thema. „Zum Glück ist es so, dass in der Praxis der gesunde Menschenverstand und die Nächstenliebe über die Vorschriften siegen.“

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