Bundesvorsitzende der Linken bekam von OB-Kandidat Kai Boeddinghaus eine Internetadresse geschenkt

kommunistin.de für Gesine Lötzsch

Unterstützt den OB-Kandidaten Kai Boeddinghaus: Gesine Lötzsch, Vorsitzende der Linken, gestern Abend in Kassel. Foto:  Koch

Kassel. „So einen Oberbürgermeister wie Kai Boeddinghaus hat die Stadt Kassel wirklich verdient“, sagte die Bundesvorsitzende der Linken am Freitag Abend beim Auftakt zum Kommunalwahlkampf in Hessen.

Der Applaus der 250 Menschen, die in die Räumlichkeiten der Alevitischen Gemeinde an der Kurt-Schumacher-Straße gekommen waren, war Gesine Lötzsch (49) für diese Worte gewiss.

Nein zur Schuldenbremse

Die Menschen müssten aber Boeddinghaus am 27. März nicht nur zum Oberbürgermeister wählen, sondern gleichzeitig auch „Nein“ zur Schuldenbremse in der Hessischen Verfassung sagen. Die Schuldenbremse schaffe die Voraussetzung für eine weitere Enteignung der Bürger, nachdem diese bereits von den bürgerlichen Parteien enteignet worden seien. Die Schuldenbremse habe eine weitere Privatisierung staatlichen Eigentums zur Folge. Und wo es kein staatliches Eigentum mehr gebe, da hätten Politiker auch nichts mehr zu entscheiden. Applaus für Lötzsch.

20 Minuten lang hielt sie eine kämpferische Rede, in der sie Vorurteile gegen ihre Partei widerlegen wollte. Den Linken werde oft „Gleichmacherei“ vorgeworfen. „Die größte Gleichmacherei ist aber die Einführung des unwürdigen Hartz-IV-Gesetzes gewesen.“ Da werde ein Ingenieur, der nach 25 Jahren arbeitslos geworden ist, genauso behandelt, wie jemand, der keine Ausbildung hat.

Nicht die Linken wollten die Demokratie abschaffen, sagte die Vorsitzende, die kürzlich eine Kommunismusdebatte ausgelöst hat. „Wir wollen, dass die Lobbyisten aus den Ministerien verschwinden.“ Die hätten sich seit der Ära von Gerhard Schröder und Otto Schily dort eingeschlichen und diktierten die Gesetze.

Doch nicht nur Lötzsch verstand es, die Anhänger mitzureißen. Gewohnt pointiert hatte sich zuvor OB-Kandidat Boeddinghaus präsentiert und kommentierte umstrittene Themen aus der Stadt: Zum Beispiel die Gewerbeansiedlung im Langen Feld („auf Lebensqualität legen Sozis, CDU und FDP keinen Wert, die Grünen sind umgefallen“); die Pauschalierung der Unterkunftskosten und die Sozialcard (Kämmerer Jürgen „Barthel grenzt aus und diskriminiert“); das „Huskies-Salzmann-Theater“ („windige Geschäftemacher wollen die Stadt über den Tisch ziehen“) oder das neue Auebad („ein Schwimmbad im Landschaftsschutzgebiet, wo die Regiotram nicht hinfährt“). Boeddinghaus teile in alle Richtungen aus. Über seinen CDU-Mitbewerber Ernst Wegener sagte er ironisch: „Wir müssen nett zu ihm sein, die CDU ist es nicht.“

Ein überraschendes Geschenk hatte er für Lötzsch zum Abschluss parat: Die Internetadresse kommunistin.de  

Ob dieses Geschenk alle so gut fanden? „Das ist die klassische Boeddinghaus-Ironie“, sagte der Stadtverordnete Axel Selbert.

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