Starb im Alter von 92 Jahren

Komödie Kassel: Trauer um Elfriede Zehnter

Die Frau im Zentrum. Unser Foto entstand 2000 zum 50-jährigen Bestehen der Komödie Kassel und zeigt (im Vordergrund von links) den damaligen Direktor Horst Lateika, SPD-Bundestagsabgeordneten Gerd Rübenkönig, Lateika-Nachfolger Gerhard Fehn, Elfriede Zehnter und Hans Eichel, damals Bundesfinanzminister. Archivfoto: Koch

Kassel. Zwei Tage zuvor hatte sie noch ihren 92. Geburtstag erlebt: Am 20. November, dem Ewigkeitssonntag, starb in Kassel Elfriede Zehnter, die langjährige Verwaltungschefin der Komödie Kassel.

Wegen ihres Mutes und ihrer starken Persönlichkeit hatte sie Hans Eichel in seiner Funktion als Oberbürgermeister einmal als „Mutter Courage der Kasseler Theaterszene“ bezeichnet.

Engagement fürs Theater

Gelernt hatte die gebürtige Kasselerin Bankkauffrau, einen Beruf, den sie zunächst auch ausübte. Ihr Mann Ernst Zehnter, ein Lehrer, der als Germanist, Künstler und Dramaturg tätig war, brachte sie mit der Theaterwelt und namentlich mit der Komödie Kassel in Kontakt. Als sich die nach dem Krieg aus der Neuen Bühne und dem Schauspielstudio gebildete Komödie etablierte, engagierte sich auch die Fachfrau für Zahlen immer stärker.

Zunächst war sie ehrenamtlich die treibende Kraft für große Veränderungen wie der Umzug von einer Baracke in der Goethestraße ins neue Haus an der Friedrich-Engels-Straße. Ab 1965 war sie schließlich 36 Jahre lang hauptamtlich Verwaltungschefin und übernahm das Management der Theatertruppe. „Sie war eine resolute Frau, die sich sehr für die Kunst in Kassel im Allgemeinen und für die Komödie im Besonderen engagierte und verdient gemacht hat“, sagt Hartmut Fritsche, der frühere Vorsitzende des Vereins Komödie. Zehnter habe ein großes Interesse an Menschen gehabt und sei sehr sozial gewesen. Zu ihren Leidenschaften gehörte außerdem das Puppenspiel und die Malschule, die sie mit ihrem Mann leitete.

Die Komödie aber war ihre Lebensaufgabe. Zum Schluss, als das Privattheater finanziell ins Trudeln geraten war, habe sie sogar Privatgeld investiert, um die Komödie zu retten, erzählen Weggefährten aus der Theaterszene.

2006 versetzte ihr der Tod ihres einzigen Kindes, Thomas Zehnter, im Alter von 50 Jahren einen Schlag, von dem sie sich nie mehr richtig erholt habe. Nach dem Tod Thomas Zehnters, der wenige Jahre zuvor die Nachfolge seiner Mutter als Verwaltungschef angetreten hatte, wurde der gemeinnützige Verein Komödie Kassel aufgelöst. Er wurde in eine GmbH umgewandelt, als die das Theater noch heute besteht. (chr)

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