Konkurrenz spricht von Schwindel

Konkurrenz spricht von Schwindel: Zoff um neues Kassel-Bier

Soll auf das Etikett des neuen Bieres: Das Landgrafenschloss zu Cassel. Das Gemälde des Malers Ernst Metz stammt aus dem Jahr 1956. So soll das Schloss im Jahr 1775 ausgesehen haben. Foto:  Archiv /nh

Kassel. Im Mai soll es ein neues Kassel-Bier geben. Doch es regt sich Widerstand gegen dieses Vorhaben. „Es gibt sehr viele Biere auf dem Markt, die keine Beziehung zur Region haben“, sagt Peter Hochhuth, Inhaber des Westend-Cafés an der Elfbuchenstraße.

Da Kassel eine schöne Stadt sei, seien zwei ehemalige Brauerei-Mitarbeiter und ein Gastronom auf die Idee gekommen, ein neues Bier für die Menschen in der Region brauen zu lassen. Neben den regionalen Marken Hütt und Martini.

Hochhuth selbst hat 15 Jahre für die Hasseröder Brauerei gearbeitet, Peter Braun war viele Jahre lang der Gastronomie-Verantwortliche für die Martini-Brauerei, die seit über 15 Jahren zur Einbecker Brauerei gehört. Der Dritte im Bunde sei der Gastronom Sven Gabriel, Inhaber der Kneipe „Zum Goldenen Hirsch“, sagt Hochhuth.

Die drei Männer wollen ihr Bier-Projekt an eine Tradition aus Wehlheiden anknüpfen. Bis zum Jahr 1912 gab es dort die Hessische Actien-Brauerei Wehlheiden. Das neue Premium Pils, das im Mai auf den Markt kommen soll, wird deshalb den Namen „Ur Casseler Actienbier“ tragen.

Laut Hochhuth stammt das Rezept für das mild-würzige Bier aus dem Jahr 1854. Man habe es in einem Archiv entdeckt. Auf Rezepturen der Wehlheider Brauerei habe man nicht zurückgreifen können, da diese im Krieg zerstört worden sei.

Wo das Bier gebraut werden soll, verrät Hochhuth nicht. Nur so viel: In einem Betrieb in Deutschland, in einem Lohnbrauverfahren. Für den Vertrieb des Pilses, das in Fässern und Kisten angeboten werden soll, habe man eine eigene Firma gegründet. Man habe 70.000 bis 80.000 Euro in das Projekt investiert.

Das Etikett ziert das ehemalige Landgrafenschloss, das bis zum Jahr 1811 an der Stelle des heutigen Regierungspräsidiums stand. Die Bier-Unternehmer haben ein Gemälde des Malers Ernst Metz aus dem Jahr 1956 dafür ausgesucht. Für gastronomische Betriebe stelle man Gläser und Bierdeckel der neuen Marke zur Verfügung, sagt Hochhuth.

Peter Hochhuth

Allerdings gibt es auch Widerstand gegen das neue Bier. Ingo Schrader, Marketingleiter der Einbecker (Martini) Brauerei, spricht von einem „klassischen Fall von Verbrauchertäuschung“, da das Bier nicht in der Stadt gebraut werde. „Aus unserer Sicht ist das rechtlich unzulässig“, sagt Schrader. Die Einbecker Brauerei habe deshalb Widerspruch gegen die Markeneintragung von „Ur Casseler Actienbier“ eingelegt.

„Wo Kassel draufsteht, muss auch Kassel drin sein“, sagt Frank Bettenhäuser, Chef der Hütt Brauerei Baunatal.

Im Internet sind zwei Eintragungen zu finden, wonach eine Wort-Bildmarke Ur Casseler Actienbier Premium Pils beim Deutschen Patent- und Markenamt für Waren und Dienstleistungen zur Registrierung angemeldet worden ist. Der aktuelle Status der Marke lautet allerdings: „Anmeldung eingegangen“.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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