Mitbewerber: Peek & Cloppenburg stärkt die Innenstadt

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In sechs Wochen geht’s los: Am Königsplatz wird Peek & Cloppenburg auf vier Etagen rund 100 000 Modeartikel anbieten.

Kassel. In sechs Wochen wird am Kasseler Königsplatz ein neues Geschäft in Betrieb gehen: Dann eröffnet das Hamburger Unternehmen Peek & Cloppenburg (P & C) sein Modehaus, das auf vier Etagen ein Sortiment von etwa 100 000 Kleidungsstücken anbieten wird.

Beim eingesessenen Textileinzelhandel in der City sieht man die Neuansiedlung einhellig vor allem als Chance und weniger als Konkurrenz.

„Damit gewinnt die Innenstadt insgesamt an Attraktivität und Wertigkeit“, sagt etwa Kassels C & A-Chef Richard Skornia. Er meint, dass das neue Einkaufsziel mehr Kundschaft von außerhalb anziehen werde. Davon könnten alle Anbieter in der City profitieren, „die ihre Hausaufgaben machen“. C & A tue dies und nehme bis Ende März umfangreiche Modernisierungsarbeiten im eigenen Hause vor. Der neue Wettbewerber helfe dem Standort Innenstadt, sich gegen Einkaufszentren an der Peripherie zu behaupten.

So sehen es auch Kollegen in anderen großen Häusern. Für Galeria-Kaufhof-Chefin Brigitte Kritzner gilt hier die alte Handelsweisheit „Konkurrenz belebt das Geschäft“ –also auch das eigene. Nach dem jüngsten großen Kaufhof-Umbau 2008 sieht sie ihr Warenhaus dafür gut aufgestellt.

Als direkter P & C-Nachbar meint Centermanager Sebastian Kurth vom City-Point: „Alles, was den Königsplatz belebt, finden wir positiv.“ Er würde sich wünschen, dass es bald auch für das frühere Overmeyer-Haus eine Wiederbelebungsperspektive gibt.

Torsten Evers, Geschäftsführer von Heinsius + Sander, sieht die P & C-Ansiedlung nach eigenen Angaben „sportlich“. Da sein gehobenes Modehaus „keine Lauf-, sondern Zielkundschaft“ habe, sehe er sich „aufgrund unserer besonderen Servicequalität“ für den Wettbewerb mit einem Großfilialisten gut gerüstet. Mit Blick auf die gesamte City sagt Evers: „Wenn 7300 Quadratmeter Verkaufsfläche neu entstehen, dann geht anderswo natürlich Umsatz verloren.“ Vielleicht kämen durch P & C einige Kunden aus dem Umland zusätzlich: „aber im Großen und Ganzen wird der Kuchen in der Stadt neu aufgeteilt“.

Auch Martin Schüller, Geschäftsführer vom Einzelhandelsverband Hessen-Nord, sagt: „Es versteht sich, dass es da zu einer Verschiebung von Kundschaft kommen wird.“ Schwerer wiege aber die Magnetwirkung, die P & C zum Nutzen der gesamten City entfalten werde. „Der Kunde fährt ja nicht gezielt zu P & C, sondern geht dann auch woanders hin.“

Er glaube nicht, dass kleine Boutiquen stark unter dem Großfilialisten leiden würden, sagt Schüller: „Das sind ja Nischenanbieter mit Stammkundschaft und besonderen Modelabels.“ Überhaupt sei die Unterscheidung zwischen lokalem Handel und Marken-Shops oft trügerisch: Hinter Letzteren stünden ganz oft nordhessische Händler als Lizenznehmer.

Die P & C-Ansiedlung sieht Schüller als weitere Aufwertung der City, wo in den vergangenen Jahren viel Geld in zeitgemäße Einkaufserlebnisse investiert worden sei. Schlimm wäre vielmehr der umgekehrte Fall, so der Einzelhandels-Geschäftsführer – „wenn einer nach dem anderen weggehen würde“.

Von Axel Schwarz

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