Konsum auf Pump

Jeder sechste Kasseler sitzt in der Schuldenfalle

Kassel. Trotz sinkender Arbeitslosigkeit und guter Wirtschaftsdaten können im Raum Kassel immer mehr Menschen ihre Rechnungen nicht bezahlen. Im Stadtgebiet gilt inzwischen jeder sechste erwachsene Einwohner als überschuldet.

Das geht aus Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor. Neu in deren Schuldnerstatistik tauchen vor allem Verbraucher auf, die sich durch Ratenkäufe und sonstige Konsumverlockungen finanziell übernommen haben.

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Die meisten von ihnen stünden erst am Anfang einer möglichen Schuldnerkarriere, heißt es. Sie seien aufgefallen, weil sie bei jeweils mehreren Gläubigern nicht in der Lage seien, vergleichsweise geringe Beträge zurückzuzahlen. Zwar sei Arbeitslosigkeit weiterhin die Hauptursache finanzieller Probleme, doch habe der Verschuldungsgrund „Unangemessenes Konsumverhalten“ stark an Gewicht gewonnen.

In Stadt und Landkreis Kassel hat die Zahl überschuldeter Haushalte im Vorjahr leicht zugenommen. Insgesamt 44 300 Menschen sind es laut Creditreform, die finanziell kein Licht am Ende des Tunnels sehen. Während das Kreisgebiet mit einer Schuldnerquote von 9,02 Prozent noch leicht unter dem Bundes- und Landesdurchschnitt liegt und auch besser dasteht als umliegende Landkreise in Nordhessen, bündelt sich die Problematik in der Stadt.

Mit gut 16 Prozent überschuldeten Einwohnern hat Kassel laut Creditreform die achthöchste Schuldnerquote deutscher Städte. Besonders stark gestiegen ist sie in Kassel-Mitte (Postleitzahl 34117), wo der Anteil von Bewohnern mit Zahlungsproblemen binnen Jahresfrist von 23,4 auf 28,8 Prozent zugenommen hat.

Zugleich unterwerfen sich immer weniger Betroffene einem geordneten Entschuldungsverfahren. Beim Amtsgericht Kassel wurden im ersten Halbjahr 214 Anträge auf Privatinsolvenz gestellt – 77 weniger als im Vorjahreszeitraum und 133 weniger als 2011. Zum Tage, Seite 2

Rubriklistenbild: © dpa

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