50.000 Kunden der Kasseler Sparkasse betroffen

Kontoauszüge nur noch im Netz: So klappt’s mit dem Finanzamt

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Nächster Schritt: Auf Selbstbedienung setzt die Kasseler Sparkasse schon lange. Nun soll auch beim Druck und Versand von Kontoauszügen rationalisiert werden. Unser Agenturbild entstand in Bielefeld.

Kassel. Viele Kunden der Kasseler Sparkasse werden ab Januar keine gedruckten Kontoauszüge mehr erhalten. Der Steuerberaterverband Hessen erklärt, was Selbstständige dabei beachten müssen.

Kontobewegungen sind bald nur noch online einsehbar für die Inhaber von rund 50.000 Girokonten bei der Kasseler Sparkasse. Ein HNA-Bericht zum Thema habe bei regionalen Steuerberatern und deren Mandanten viele Fragen aufgeworfen, sagt Armin Heßler, Vizepräsident beim Steuerberaterverband Hessen: „Insbesondere Geschäftsleute fragen sich, wie sie gegenüber dem Finanzamt ihre Kontenbewegungen nachweisen sollen.“

Diese Antworten auf die wichtigsten Fragen gibt der Verband:

Welche Unterschiede gibt es zwischen Privat- und Geschäftsleuten im Hinblick auf Kontoauszüge? 

ArminHeßler

Jeder Gewerbetreibende muss laut Steuerrecht seine Geschäftsbelege - also auch Kontobewegungen - einige Jahre lang aufbewahren. Betroffen seien allerdings nicht nur Unternehmer, sagt Steuerberaterverbandssprecher Heßler: Auch wer zum Beispiel fremd vermietete Wohnimmobilien oder Fotovoltaik-Anlagen betreibt, müsse Aufbewahrungsfristen einhalten.

Und was ist dabei der Unterschied zwischen Kontoauszügen auf Papier und im Netz? 

Belege dürfen bereits seit 20 Jahren in elektronischer Form aufbewahrt werden, sagt der Verband. Erst im November 2014 habe der Bundesfinanzminister die bestehende Regelung erneuert und bekräftigt.

Was heißt das für das neue Verfahren, das die Kasseler Sparkasse ab Januar einführt? 

Verbandssprecher Heßler sieht dabei auch für Gewerbetreibende „keine Probleme“ mit der steuerlichen Anerkennung von Kontobelegen - vorausgesetzt, diese würden nicht bloß als Ausdrucke aufgehoben, sondern auch heruntergeladen und gespeichert. Da die Kasseler Sparkasse die Auszüge zeitlich unbegrenzt im Netz verfügbar halte, betrachte der Steuerberaterverband dieses Verfahren für „vernünftig“ und kundenfreundlich.

Und wie läuft dann die Prüfung beim Finanzamt ab? Der Ausdruck eines Online-Kontoauszugs ist ja steuerrechtlich gesehen bloß eine Kopie. 

Laut Steuerberaterverband ist der Fiskus darauf eingerichtet, dass „immer mehr Unternehmer ihre Belege nur noch digital zur Verfügung stellen“. Sollte das Finanzamt „ausnahmsweise“ einen elektronischen Kontoauszug im Original sehen wollen, könne der Steuerpflichtige einen entsprechenden Zugriff erlauben.

Worauf kommt es generell an bei der Aufbewahrung elektronischer Belege? 

Grundsätzlich sind elektronisch empfangene Dokumente auch elektronisch aufzubewahren, sagt der Verband. Für Gewerbetreibende gelte dies etwa auch für E-Mails oder Rechnungen im PDF-Format. Würden diese Unterlagen bloß ausgedruckt und die Originaldateien vernichtet, könne das durch das Finanzamt beanstandet werden. Weitere Tipps: Daten regelmäßig sichern und darauf achten, dass die Speichermedien aucxh am Ende der Aufbewahrungsfrist noch gelesen werden können - wer etwa vor zehn Jahren seine Daten auf Diskette gespeichert habe, könne heute ein Problem bekommen. Viele Steuerberater böten auch an, Belege direkt auf deren Archivsystem hochzuladen.

Aber die Daten stehen doch bei der Kasseler Sparkasse ohnehin dauerhaft im elektronischen Postfach, wie es heißt? 

Stimmt, sagt der Steuerberaterverband. Vorsicht könnte allerdings angebracht sein, wenn eine Bankbeziehung beendet wird: „Hier sollte mit der Kasseler Sparkasse geklärt werden, ob der Online-Zugriff auch danach noch zur Verfügung steht.“

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