Firmen prüfen Windräder im Kreis – Bauaufsicht blickt auf die Berichte

Kontrolle durch Betreiber

Abgeknickt: 2005 hielt ein Rotorblatt einer Anlage bei Oberlistingen dem Druck einer Windböe nicht stand. Archivfoto: Müller

Kreis Kassel. In Kirtorf, in der Nähe von Fulda, ist am Sonntagvormittag der obere Teil einer Windkraftanlage samt Rotor und Gondel abgebrochen und in die Tiefe gestürzt. Die Frage lautet: Wie sehen die Sicherheitvorkehrungen bei den Anlagen in unserer Region aus? Die Sicherheit der Windräder jedenfalls muss regelmäßig von der Unteren Bauaufsicht bei der Kreisverwaltung bewertet werden.

„Wir müssen die Anlagen alle fünf Jahre überprüfen“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Die Tests an den Windrädern erledigten allerdings meist Firmen, die von den Betreibern im Zuge der Eigenkontrolle beauftragt werden. Die Bauaufsicht des Landkreises schaue sich dann die Prüfprotokolle der Firmen an, erläutert Kühlborn. „Vom Grundsatz her sind also die Betreiber selbst verantwortlich.“

Die Anlagen seien heute auf einem so hohen technischen Niveau, sagt der Kreissprecher weiter, dass es bisher noch zu keinen technischen Problemen gekommen sei.

Immerhin: Im Dezember 2005 erfasste eine Windböe eine Windkraftanlage bei Oberlistingen. Ein Rotorblatt hielt dem enormen Druck nicht stand und knickte wie ein Streichholz zusammen. Allerdings stürzte der Rotor damals nicht in die Tiefe.

Vor dem Aufbau von Rotoren ist die Obere Bauaufsicht beim Regierungspräsidium für Sicherheitsfragen verantwortlich. „Alle Anlagen der großen Hersteller sind Typ geprüft“, sagt Wolfgang Kaivers, Leitender Regierungsdirektor beim RP. „In einem aufwendigen Verfahren werden die Windräder auf ihre Statik, ihre Zuverlässigkeit und ihre lange Lebensdauer überprüft.“

Auch Kaivers bestätigt: Einen Vorfall wie jetzt im Vogelsbergkreis habe es im Bereich des RP Kassel noch nicht gegeben. Kaivers: „Bei uns ist noch kein Windrad abgeknickt oder umgefallen.“ Aktuell sind 99 Windkraftanlagen im Landkreis Kassel aktiv. Im Jahr 2009 erzeugten diese 80,5 Millionen Kilowattstunden Strom. Damit kann man rechnerisch 23 000 Vier-Personen-Haushalte, also mehr als 90 000 Menschen, ein Jahr mit Strom versorgen. Im Altkreis Kassel sind derzeit elf Anlagen am Netz.

Weitere Rotoren sollen sich schon bald in der Region drehen. Nachdem der Verwaltungsgerichtshof die Begrenzung von Flächen für Windkraft im Regionalplan Nordhessen festgesetzt hat, könnten schon bald weitere Windparks entstehen. Geplant sind Anlagen bei Fuldatal-Rothwesten, Schauenburg-Breitenbach, Niestetal und am Sensenstein. HESSEN

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