Firma Kopack seit 1985 in Familienhand

Von Mikrochip bis zur kompletten Fabrik: Kasseler Profis packen alles ein

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Drei Generationen, ein Betrieb (von links): Johannes und Marcus Kowal sowie Benjamin Springer. Unser Foto zeigt sie vor dem riesigen Röntgengerät, mit dem Kisten und Inhalt auf Sprengstoff durchleuchtet werden.

Kassel. „Wir packen alles ein, vom Mikrochip bis zur kompletten Fabrik“, erklärt Seniorchef Johannes Kowal. Die Firma Kopack in Kassel ist der Verpackungsspezialist für alle Fälle - und gilt als das europaweit größte familiengeführte Unternehmen in der Verpackungsnische.

Wer wissen will, woran Maschinen- und Anlagenbauer, Rüstungsschmieden, Medizin- und Solartechnik-Hersteller, Zugbauer, Bahn- und Autozulieferer in Nordhessen und weit darüber hinaus gerade arbeiten, der braucht nur in die Hallen des Kasseler Verpackungsspezialisten Kopack zu schauen. Denn dort stehen die meist sperrigen, oft Sattelzuggroßen und bis zu 50 Tonnen schweren Anlagenteile und Fahrzeuge, die gut und sicher verpackt per See- oder Luftfracht nach Übersee gehen.

Riesige Spaltgaskühler des Maschinenbauunternehmens Arvros Schmidtsche Schack, Drehgestelle von Siemens-Loks für Afrika, schwere Lok-Komponenten von Bombardier für Israel, Maschinen und Anlagen für eine B.Braun-Fabrik in Vietnam – die Hallen stehen voll. Dazu kommen gewaltige Bearbeitungszentren des Eschweger Spezialmaschinenbauers Präwema für die USA und China, große SMA-Solarwechselrichter für Kraftwerke in Japan und Südkorea, containerweise Ersatzteile für Panzer und gepanzerte Fahrzeuge von Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall. Die Kundenliste des mittelständischen Unternehmens liest sich wie das who-is-who der regionalen und bundesweiten Hightech-Branche.

„Wir packen alles ein, vom Mikrochip bis zur kompletten Fabrik“, erklärt Seniorchef Johannes Kowal. Der 74-Jährige führt das Unternehmen mit Sohn Marcus und Tochter Angela. Enkel Benjamin Springer ist auch schon im Boot, und die beiden weiteren Enkel Jonas und Louis sollen nach dem Wunsch von Eltern und Großeltern auch dazukommen.

Der größte Einzelauftrag in der 53-jährigen Geschichte Kopacks war der Transport einer Kalt- und Warmwalzanlage in die damalige UdSSR, 12.000 Tonnen – das entspricht fast 500 Lkw-Ladungen – mussten sicher verpackt und bewegt werden. Der zweitgrößte Auftrag der Firmengeschichte war die Verpackung eines demontierten Fiat-Werks, das in Russland wiederaufgebaut wurde.

Dabei beschränkt sich Kopack schon lange nicht mehr auf die maßgeschneiderten Verpackungslösungen mit eigens angefertigten Kisten, Verschlägen, Paletten und Transportböden. Die Logistikprofis reinigen die Bauteile und Maschinen, schützen sie vor Korrosion und konservieren sie, wickeln sämtliche Import-, Export- und Zollformalitäten ab und bringen das Gut auf die meist lange Reise. „Die Kunden müssen sich um nichts kümmern. Das machen alles wir“, erklärt Kowal. Wichtiger Bestandteil der Dienstleistungen des professionellen Kopack-Teams ist auch die Zertifizierung der Ware. Das ist vor allem für die Luftfracht von Bedeutung. Luftfahrtgesellschaften und Bestimmungsländer müssen sicher gehen können, dass sich kein Sprengstoff in den sperrigen Kisten verbirgt. Mit einem speziellen, überdimensionierten Röntgengerät überprüft Kopack alle Kisten bis zu einer Höhe und Breite von jeweils 1,75 Meter. Größere Transportbehälter werden mit Handgeräten sorgfältig abgescannt, die selbst geringste und wochenalte Sprengstoffspuren erfassen.

Die Geschäfte laufen insgesamt gut, zurzeit wegen verschobener Großaufträge der Kopack-Kundschaft aber ein wenig schleppend. „Das ist nur eine vorübergehende Erscheinung. Auf mittlere und lange Sicht haben wir sehr viel zu tun“, sagt Kowal.

Arbeits- und Lagerfläche so groß wie drei Fußballfelder

Kopack arbeitet derzeit in neun eigenen Hallen. Im Frühjahr soll die zehnte gebaut werden. Sie wird unter anderem eine neue Säge-Anlage beherbergen, die den Holzzuschnitt weitgehend automatisiert und optimiert. Zwei Millionen Euro will das Familienunternehmen in Gebäude und Technik investieren. Wenn die Halle fertig ist, stehen Kopack rund 27.000 Quadratmeter Arbeits- und Lagerfläche zur Verfügung. Das entspricht in etwa dreieinhalb Fußballfeldern. Das Betriebsgelände misst gut 64.000 Quadratmeter.

Seit 1985 in Familienhand

Kopack sieht sich mit 58 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz im hohen einstelligen Millionenbereich als das europaweit größte familiengeführte Unternehmen in der Verpackungsnische. Es wurde 1965 von einem Bremer Kaufmann als Kasseler Niederlassung der Deutschen-Tailleur-Gruppe gegründet. 1966 kam Kowal in den Betrieb und erwarb ihn 1985. 

Seither ist der Spezialist für Industrie-Verpackung, Konservierung und Versendung von See- und Luftfracht, Wehrtechnik und Gefahrgut stetig gewachsen. Zunächst war Kopack in der Lilienthal-, später in der Leipziger Straße tätig. Seit 1994 sitzt das Unternehmen im Industriepark Kassel-Waldau, in direkter Nachbarschaft zum Güterverkehrszentrum. Was Kopack verpackt und versendet, geht zu 95 Prozent ins Ausland, was genaue Kenntnisse der zum Teil sehr strengen Importbestimmungen erfordert.

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