Mitarbeiter-Service

Den Kaffee für ihre Beschäftigten lässt sich die Stadt Kassel 120.000 Euro kosten

Symbolfoto: Ein bärtiger Mann trinkt aus einer Kaffeetasse
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Viele müssen selbst für den Kaffee an der Arbeit aufkommen. Eine Ausnahme stellt die Stadt Kassel da. (Symbolfoto)

In der Regel müssen Beschäftigte selbst für den Kaffee aufkommen, den sie am Arbeitsplatz trinken. Eine Ausnahme unter den Kommunalverwaltungen stellt die Stadt Kassel dar.

Kassel - Es gibt sie, aber noch stellen Verwaltungen und Unternehmen, die ihre Beschäftigten mit Kaffee versorgen, die große Ausnahme dar. Die Stadt Kassel sieht dafür bereits seit 2019 Geld im Haushalt vor.

Steht im Haushalt der Stadt tatsächlich etwas über das Kaffeegeld für die Beschäftigten?
Nein, so einfach lässt sich das nicht aus dem Haushalt herauslesen, auch nicht aus dem von Oberbürgermeister Christian Geselle eingebrachten Entwurf 2022. Die Angaben zum Kaffeegeld für die Beschäftigten wurden kürzlich gemacht, als über die Umsetzung von Haushaltsansätzen informiert wurde.
Warum muss der Haushaltsansatz für Kaffee geändert werden?
Weil die Verteilung des Geldes neu organisiert worden ist. Seit 2019 sehen die Haushalte der Stadt jährlich einen Betrag von 120.000 Euro für die Versorgung der Bediensteten mit Kaffee vor. Das Geld wurde bislang zentral im Etat veranschlagt. Wegen der „heterogenen Standortstruktur“ – also der vielen, über das Stadtgebiet verteilten Dienststellen der Verwaltung – habe sich dies aber als unpraktikabel herausgestellt, hieß es. Deshalb sollen nun die Fachämter in Eigenregie die Beschaffung von Kaffee vornehmen. Dazu müssen die 120.000 Euro auf die Ämter verteilt werden – und zwar gestaffelt nach der Anzahl ihrer Beschäftigten.
In welchem Amt wird der meiste Kaffee getrunken?
Die Stadt listet nicht die Trinkmenge, sondern den Geldbetrag auf, der den Ämtern für Kaffee zur Verfügung gestellt wird. Die Beträge fallen ganz unterschiedlich aus. Das hängt aber nicht vom Kaffeedurst in den jeweiligen Ämtern, sondern von der Zahl der dort Beschäftigten ab. Der Spitzenreiter beim Kaffeegeld kommt aus dem Dezernat V (Jugend, Frauen, Gesundheit und Bildung). Das dort angesiedelte Amt 59 (Kindertagesbetreuung) erhält über 27.000 Euro. Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Die Kindertagesbetreuung ist allein mit ihren rund 650 Erzieherinnen und Erziehern das Amt mit dem meisten Personal in der Stadtverwaltung. Den nächstgrößten Betrag (rund 11.500 Euro) erhält übrigens die Feuerwehr mit rund 330 Beschäftigten.
Welche Kaffeemenge trinken die Bediensteten der Stadt Kassel ungefähr pro Jahr?
Im Durchschnitt kostete ein Pfund (500 Gramm) Filterkaffee rund fünf Euro im vergangenen Jahr. Die 120 000 Euro Kaffeegeld im Haushalt der Stadt Kassel reichen also für etwa 24 000 Pfund. Teilt man die 120 000 Euro durch die Zahl der 3500 Beschäftigten, kommt man auf rund 34 Euro pro Kopf. Rechnerisch entfallen damit auf jeden Mitarbeiter knapp sieben Pfund Kaffee pro Jahr.
Und wie viele Tassen Kaffee sind das?
Nicht jede Tasse ist gleich groß, nicht jeder Kaffee gleich stark und gleich teuer. Deshalb lässt sich das nur überschlagen. Spricht man in Deutschland von Kaffeetasse, geht man offiziell (etwa beim Backen) von einer Schöpfmenge von 125 Millilitern (ml) aus. Das ist also eher ein Tässchen. Dafür werden etwa acht Gramm Kaffeepulver benötigt. Das heißt: Aus einem Pfund Kaffee lassen sich etwa 62 Tassen (je 125 ml) aufbrühen. Bei sieben Pfund pro Kopf und Jahr kommt damit jeder Beschäftigte auf 434 Tassen pro Jahr. Rechnet man alles zusammen, reicht das städtische Kaffeegeld für rund 1,5 Millionen Tassen (besser: Tässchen) im Jahr.
Trinken die Stadtbediensteten damit überdurchschnittlich viel Kaffee?
Nein, jedenfalls nicht am Arbeitsplatz. Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes hat 2020 im Schnitt jeder Deutsche 168 Liter Kaffee getrunken, also 168.000 Milliliter. Umgerechnet auf die 125-Milliliter-Tasse entspricht das 1344 Tassen pro Kopf und Jahr. Das sind deutlich mehr als die 434 Tassen Kaffee, die rechnerisch pro Jahr von jedem Beschäftigten der Stadt getrunken werden.

Die Stadt Kassel erklärte am Dienstag zu ihrem Angebot für die Beschäftigten: „Als moderner und attraktiver Arbeitgeber bietet die Stadt Kassel ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein ansprechendes Arbeitsumfeld. Das spiegelt sich unter anderem wider durch Fortbildungs- und Gesundheitsangebote sowie ein Budget – umverteilt auf alle Ämter prozentual nach Mitarbeiteranzahl – für Kalt- und Heißgetränke (Wasser, Kaffee, Tee).“

Das sagen andere Arbeitgeber in Stadt und Kreis Kassel

Manche Arbeitgeber sind großzügig, andere weniger. Wir haben bei Unternehmen und Kommunen in Stadt und Landkreis Kassel nachgefragt, ob sie ihren Mitarbeitern kostenlos Kaffee oder Mineralwasser zur Verfügung stellen:

VW-Werk: Im VW-Werk in Baunatal müssen die Mitarbeiter selbst für den Kaffee und das Wasser zahlen, sagt Sprecher Heiko Hillwig. Ausnahmen gibt es bei hohen Temperaturen: Wird bei der Sommerhitze ein bestimmter Wert überschritten, dann würden die Mitarbeiter in den Hallen mit Wasser und isotonischen Getränken versorgt.

Baufirma Rennert: Im Kasseler Bauunternehmen Rennert stellt Chef Thilko Gerke Kaffee, Wasser und weitere nicht-alkoholische Getränke für die 50 Mitarbeiter zur Verfügung. Und wenn es besonders heiß ist, dann gibt es Extrarationen.

Freie Getränke vom Arbeitgeber bei der Baufirma Rennert, (von links) Andreas Jungheim, Beate Kaufhold und Geschäftsführer Thilko Gerke.

Polizeipräsidium: „Wir sind grundsätzlich Selbstversorger“, sagt Polizeisprecher Matthias Mänz über die Handhabe im Polizeipräsidium Nordhessen, wo es insgesamt 2000 Beschäftigte gibt. In vielen Abteilungen gebe es die klassische Kaffeekasse, an der man sich beteiligen könne. Allerdings gibt es am Standort Kassel neben dem Hauptbahnhof seit geraumer Zeit einen Wasserspender, an dem sich die 680 Mitarbeiter kostenlos Wasser zapfen können. Darüber hinaus gebe es nur eine Verpflegung für die Beamten, wenn sie sich in geschlossenen Einsätzen, etwa einer Demonstration, befinden.

Firma Hübner: Bei dem Bahn- und Bustechnik-Spezialist Hübner, an dessen Kasseler Stammsitz 1000 Mitarbeiter beschäftigt sind, werden die Kaffeemaschinen vom Unternehmen zur Verfügung gestellt, für den Kaffee müssen die Mitarbeiter aber zahlen, so Sprecher Claas Michaelis. Allerdings stellt Hübner allen Mitarbeitern in Kassel ein kostenloses Mittagessen zur Verfügung. Auch das Mineralwasser am Arbeitsplatz wird gesponsert.

Landkreis Kassel: Was die Mitarbeiter an Kaffee an ihrem Arbeitsplatz trinken, müssen sie selbst bezahlen, berichtet Kreissprecher Harald Kühlborn. Getränke – darunter auch Kaffee – würden beim Kreis lediglich bei Sitzungen mit Gästen zur Verfügung gestellt.

Baunatal: „So etwas gibt es bei uns nicht“, erklärt auch die Sprecherin Susanne Bräutigam für die Stadt Baunatal. Die Beschäftigten müssten selbst für ihren Kaffee sorgen. Kostenfreien Kaffee gebe es nur bei den Besuchen von Gästen der Stadt.

Vellmar: Die Kosten für den Kaffee seien Privatsache der Mitarbeiter, sagt Astrid Kneuer, die Sprecherin der Stadt Vellmar. Eine Ausnahme gebe es nur bei besonderer Hitze. Dann würden den Beschäftigten des Bauhofes von der Stadt Getränke kostenfrei zur Verfügung gestellt. Aber kein Kaffee, sondern Wasser.

Helsa: Auch die Gemeinde Helsa stellt ihren Beschäftigten den Kaffee am Arbeitsplatz nicht kostenfrei bereit. „Das wird privat geregelt“, sagt Helsas Büroleiter Jens Schmidt. „Wir haben eine Gemeinschaftskasse.“  

Bei Tassen gilt der Achtelliter als Schöpfmaß

Manche trinken ihren Kaffee nur aus einer Tasse, andere lieber aus einem größeren Becher oder Pott. Im Haushalt ist die Tasse auch ein Schöpfmaß, das zum Abmessen von Flüssigkeit oder Schüttgut wie Mehl oder Zucker gebraucht wird. „1 Tasse“ entspricht dabei in deutschen Rezepten meist einem Achtelliter, also 125 Milliliter/ml. Bei einem Kaffeeservice sind Tassen kleine, flache Trinkgefäße mit 125 ml. In Becher, deren Größen unterschiedlich ausfallen, passen etwa 250 ml. 

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