Mordprozess Savasci: Familie verlangte  Trennung von ihrem Freund

Auf der Anklagebank: Die Staatsanwaltschaft Kassel wirft dem 51-jährigen Mann aus Maintal vor, seine Schwester Mehtap Savasci am 7. Oktober 2014 entführt und getötet zu haben. Zeichnung:  Reinckens

Kassel. „Wir kennen uns nicht mehr.“ Dies ist Teil einer SMS, die Mehtap Savasci am 6. Oktober 2014 an ihren älteren Bruder geschickt hat.

Der antwortete: „Warum?“ Mehtap schickte daraufhin eine Antwort auf Türkisch, die am Montag allerdings nicht vor dem Kasseler Landgerichts ins Deutsche übersetzt wurde.

Vor der sechsten Strafkammer muss sich der 51-jährige Bruder der getöteten Mehtap Savasci seit dem 20. Juli wegen des Verdachts des Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann aus Maintal vor, seine Schwester am Morgen des 7. Oktober 2014 vor ihrer Wohnung in Wehlheiden entführt und mit Schüssen getötet zu haben.

Dass es zu massiven Streitigkeiten zwischen Mehtap und ihrer Familie gekommen war, wurde auch an zwei Einträgen deutlich, die Mehtap am 4. und 5. Oktober beim Nachrichtendienst Twitter machte. Dort teilte sie mit, dass sie das Bayram-Fest nicht mehr mit ihrer Familie feiern könne. Zudem twitterte sie: „Die Berge, auf die ich vertraute, sind mit Schnee bedeckt.“

Dass die 40-jährige Frau, die bei der Ausländerbehörde der Stadt Kassel gearbeitet hatte, mit familiären Problemen belastet war, bestätigte auch ein Freund von ihr. Der 33-jährige Mann aus Kassel, der nach eigenen Angaben für Mehtap wie ein jüngerer Bruder war, berichtete, dass sie ständig mit ihren beiden echten Brüdern gestritten habe. Dabei sei es zu einem darum gegangen, dass Mehtap sich mehr um ihre Eltern kümmern solle. Nachdem diese nach Kassel gezogen seien, habe Mehtap die Eltern regelmäßig besucht. Die hätten von der alleinerziehenden Frau aber immer mehr erwartet. Der Mutter sei es zudem am liebsten gewesen, wenn Mehtap die Eltern aufgenommen hätte.

Zudem habe es wiederholt in der Familie Krach darüber gegeben, dass Mehtap eine Affäre mit einem verheirateten Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis gehabt habe. Der Zeuge sagte aus, dass Mehtap mehrfach die Beziehung, die über sieben Jahre bis zu ihrem Tod anhielt, beenden wollte. Sie habe darin keine Zukunft gesehen. Die Trennung habe sie dann letztlich doch nicht geschafft, weil „eine Liebe kann man nicht steuern“.

Der Geliebte war am Samstag vor ihrem Verschwinden noch in der Wohnung von Mehtap Savasci in Wehlheiden auf ihren jetzt angeklagten Bruder getroffen. Der soll ihn „höflich“ gebeten haben, die Wohnung zu verlassen, wie ein Zeuge berichtete.

Verteidiger Sven Schoeller sieht in der Auswertung der Telefonverbindungen seines Mandaten einen Hinweis dafür, dass dieser seine Schwester nicht entführt habe. Laut Auswertung wurde am 7. Oktober 2014 zweimal um 12.34 Uhr versucht, das Handy von Mehtap anzurufen. Ohne Erfolg. Dies sei Indiz dafür, dass er nicht in Begleitung seiner Schwester gewesen sei. Diese These werde demnächst von einem Zeugen erhärtet, der Mehtap Savasci einen Tag nach ihrem Verschwinden in Felsberg gesehen haben will.

 

Der Prozess wird am Montag, 24. August, fortgesetzt. Dann sollen Angehörige des Angeklagten in den Zeugenstand.

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