Rabenvögel machen sich breit

Krähen entdecken Kasseler Innenstadt als Lebensraum

Tauben gehören zum Stadtbild: Vor allem am Königsplatz tummeln sich die Vögel häufig. Im Rathaus gibt es unter dem Dach seit einigen Jahren einen Taubenschlag, in dem den Tieren auch die Eier weggenommen werden. Foto: Schachtschneider

Kassel. Schwarz statt Grau: In der Innenstadt fallen immer mehr Rabenvögel auf. Sie sitzen in den Wipfeln am Lutherplatz, in den Bäumen an der Obersten Gasse und auf dem RP-Gelände am Steinweg, sie übernachten in der Aue und sogar im Rathausinnenhof.

Rabenkrähen machen zahlenmäßig inzwischen offenbar sogar den Tauben Konkurrenz, die seit vielen Jahren die Innenstadt bevölkern. Manch ein Passant fühlt sich schon an Alfred Hitchcocks Gruselklassiker „Die Vögel“ erinnert.

Zahlen über die Größe der Populationen liegen der Stadt nicht vor. Der Kasseler Biologe Harald Haag von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGNO) schätzt, dass allein in der Innenstadt 2000 bis 3000 Krähen und bis zu 300 Dohlen leben. Zum Teil flögen die Tiere aus dem Umland ein, weil die Stadt für sie eine sichere Übernachtungsstelle darstelle.

Stadt statt Natur: Rabenkrähen fühlen sich zunehmend in der Innenstadt heimisch. Foto: Schachtschneider

„Rabenvögel sind Kulturfolger – wie Füchse und Waschbären“, sagt auch Theo Arend, stellvertretender Leiter des für Kassel zuständigen Forstamts Wolfhagen. Komposthaufen und herumliegende Abfälle in der Stadt bedeuteten für die Tiere eine Lebensraumverbesserung. Deshalb gelte die gleiche Regel wie bei Waschbären: Kompost verschließen und Essensreste sorgfältig entsorgen, sodass sie nicht zur Nahrungsquelle für Tiere werden können.

Auch die Stadt Kassel fordert dazu auf, das Füttern von Wildtieren zu unterlassen. In der Innenstadt ist es sogar verboten, Tauben auf öffentlichen Flächen zu füttern. Wer dagegen verstößt, muss mit 50 Euro Bußgeld rechnen, bei mehrfachen Verstößen wird es teurer. Allerdings komme es nur selten vor, dass man ein Bußgeld verhängen müsse, sagt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich.

Um das Problem zu vieler Tauben und durch deren Kot verschmutzter Gebäude in den Griff zu kriegen, hat die Stadt vor sechs Jahren unter dem Rathaus-Dach einen Taubenschlag eingerichtet. Derzeit leben dort etwa 150 Tiere, sagt Walter Vollmar. Der städtische Mitarbeiter und leidenschaftliche Taubenzüchter aus Fuldatal kümmert sich ehrenamtlich um den Taubenschlag. Er versorgt die Vögel mit Futter und macht sauber. Wichtiger noch: Er ist der Eierdieb im Taubenschlag und jubelt den brütenden Tieren stattdessen Gipseier unter. Sonst könnte ein Pärchen zehn bis zwölf Junge im Jahr aufziehen. Durch die Geburtenkontrolle sind es nur ein bis drei im Jahr. „Ab und zu muss man sie auch mal eins ausbrüten lassen, damit sie dem Standort treu bleiben“, sagt Vollmar.

Durch den Taubenschlag habe sich das Problem am Rathaus deutlich gebessert. Es gebe dort kaum noch Verschmutzungen. „Man darf allerdings nicht erwarten, dass auch vom Königsplatz die Tauben hochfliegen“, sagt Vollmar. Daher sei wünschenswert, dass Hausbesitzer Dachböden für weitere Taubenschläge zur Verfügung stellen.

Kontakt: Ordnungsamt, Tel. 0561/787 70 29.

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