Kasseler muss regelmäßig Konto überziehen

Probleme bei der Beihilfestelle - Betroffene müssen viele Wochen auf ihr Geld warten

Musste sein Konto mehrfach überziehen: Der Kasseler Sportwissenschaftler Andreas Albert muss regelmäßig teure Medikament kaufen.
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Musste sein Konto mehrfach überziehen: Der Kasseler Sportwissenschaftler Andreas Albert muss regelmäßig teure Medikament kaufen.

Viele Betroffene sind verärgert: Sie müssen aktuell mehrere Wochen auf ihr Geld von der Beihilfestelle in Kassel warten. Weitere Verzögerungen sind möglich.

Kassel - Die Probleme und der Ärger mit der Beihilfestelle am Regierungspräsidium Kassel (RP) bestehen weiter. Bereits im Januar hatten wir berichtet, dass Beamte und Pensionäre teils viele Wochen warten müssen, bis sie ihre ausgelegten Arztkosten erstattet bekommen. Der chronisch kranke Andreas Albert aus Kassel ist nicht der Einzige, der sich bei der Redaktion meldete, er ist aber besonders betroffen.

Der 44-Jährige, der an der Uni Kassel arbeitet, hat seit vielen Jahren Erfahrungen mit der Beihilfestelle. Vor 13 Jahren erfuhr er, dass er an einer chronischen Krankheit leidet. Deshalb muss er alle zwei Monate sehr teure Medikamente kaufen, die mehrere tausend Euro kosten. Dafür geht er als Beamter zunächst in Vorleistung und erhält anschließend sein Geld von der Beihilfestelle und seiner privaten Krankenkasse zurück, die jeweils etwa 50 Prozent tragen.

Probleme bei der Beihilfestelle in Kassel: Viele Betroffene müssen auf ihr Geld warten

Albert war froh, dass seine Krankenkasse aber auch die Beihilfestelle in der Regel ihren Anteil von 3000 bis 4000 Euro zeitnah auf sein Konto überwiesen hatten. „Innerhalb von zwei Wochen hatte ich mein Geld in der Regel“, sagt Albert. Doch dies änderte sich bei der Beihilfe 2020 schlagartig. Wegen Personal- und Computerproblemen dauerte es bei der Behörde plötzlich manchmal mehr als zwei Monate.

Zu seinem Beihilfeantrag von Mitte Dezember beispielsweise habe er erst Ende Februar die Zusage bekommen. „Ich musste schon drei Mal mein Konto überziehen und Mahngebühren zahlen“, sagt Albert. Um sich seinem Ärger Luft zu machen, versuchte er, bei der Beihilfestelle jemanden zu erreichen. „Das ist kaum möglich. Entweder man kommt gar nicht durch, oder man bekommt nur die Auskunft, dass man das Anliegen weiterleite“, so der Sportwissenschaftler. Auf E-Mails habe er jeweils nur eine automatisierte Antwort erhalten.

Geld von der Beihilfestelle Kassel: Auszahlungen könnten sich noch weiter verzögern

Auf HNA-Anfrage räumt eine Sprecherin des RP die Verzögerungen bei der Bearbeitung ein. „Die Dauer beträgt weiterhin zwischen 10 und 35 Arbeitstagen“, so die Sprecherin. Man arbeite an den Problemen. Hintergrund für die Verzögerungen sind nach Auskunft der Behörde unvorhergesehene Personalausfälle und die Einführung eines neuen Computerprogramms.

Wenn es um Summen über 5000 Euro gehe, würden die Anträge mit Priorität bearbeitet. „Es macht mitunter Sinn, mehrere Rechnungen gesammelt einzureichen“, so die Sprecherin. Wenn nicht jeder kleine Beitrag von 20 oder 30 Euro einzeln eingereicht werde, beschleunige dies die Abläufe in der Behörde.

Ein Hoffnungsschimmer gibt es für Albert: Sein jüngster Beihilfeantrag wurde mit drei Wochen Wartezeit deutlich schneller beantwortet. Auf HNA-Anfrage bekam er nun auch endlich seinen erhofften Rückruf. Bei dem Gespräch hat er allerdings auch erfahren, dass die Verzögerungen noch bis Sommer andauern könnten. Dieser Zeitraum wird auch von der RP-Sprecherin bestätigt: „Es wird immer besser, aber dauert eben noch.“ (Bastian Ludwig)

Bereits Anfang des Jahres stand die Beihilfestelle des Regierungspräsidiums in Kassel in der Kritik, weil viele Beamte auf ihr Geld warten mussten.

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