Trotz Überschuss der Kassen droht Kliniken ein Defizit

Krankenhäuser werden ein finanzieller Pflegefall

Kassel. Obwohl bei den gesetzlichen Krankenkassen ein Überschuss von 20 Mrd. Euro aufgelaufen ist, klagen viele Krankenhäuser über Geldnot. Während Personal- und Sachkosten 2012 um bis zu drei Prozent steigen, dürfen die Kliniken den Krankenkassen nur ein Prozent mehr für ihre Leistungen berechnen als im Vorjahr.

Den sieben Kasseler Häusern droht 2012 eine Finanzierungslücke von etwa zehn Mio. Euro. Einige wollen weniger investieren, andere schließen Personalabbau nicht aus.

Hauptproblem sind die steigenden Energiekosten und die Finanzierung der Tariferhöhung im öffentlichen Dienst. In einer ersten Stufe stiegen die Löhne in den kommunalen Kliniken zum März um 3,5 Prozent - weitere 2,8 Prozent kommen 2013 hinzu. An die Erhöhung werden sich kirchliche und andere gemeinnützige Träger mittelfristig anpassen.

Auf der anderen Seite sind den Kliniken für 2011 und 2012 Kürzungen auferlegt worden, um die gesetzlichen Krankenkassen zu sanieren. Den 170 hessischen Akut-Krankenhäusern fehlten deshalb zur Abdeckung ihrer Personal- und Sachkosten dieses Jahr knapp 100 Mio. Euro, sagt Rainer Greunke, Direktor der Hessischen Krankenhausgesellschaft (HKG). Der Sanierungsbeitrag für die Kassen werde nicht zurückerstattet - viele Kliniken kämpften um ihre Existenz. Bei den Verhandlungen mit den Krankenkassen vergangenes Jahr hatte die HKG eine fünfprozentige Preissteigerung gefordert. Damals entschied eine Schiedsstelle, dass es nur ein Prozent mehr gibt. Die Tarifsteigerungen waren damals noch nicht klar.

Wenn die Schere zwischen Einnahmen und Kosten weiter auseinandergehe, werde sich die Markt-Konzentration fortsetzen, sagt Michael Gribner, Direktor des Rot-Kreuz-Krankenhauses. Burgfeld-Krankenhaus, Park Schönfeld und Dr.-Koch-Klinik, die in den vergangenen Jahren ihre Eigenständigkeit aufgeben mussten, seien dann nur der Anfang.

Von Bastian Ludwig

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