Starker Zulauf am Möncheberg nicht allein durch Umbauarbeiten in der Klinik Dr. Koch zu erklären

Krankenhaus im Baby-Stress

Wehmeyer

Kassel. „Wir sind nahe an der Grenze dessen, was wir leisten können“, sagt Prof. Thomas Dimpfl. Der Chefarzt der Frauenklinik am Klinikum Kassel auf dem Möncheberg hat es noch nicht erlebt, dass einen Tag vor Weihnachten die Station aus allen Nähten platzt.

Allein durch den neuen attraktiven Standort – die Frauenklinik war erst vor zwei Wochen in den Neubau für Frauen- und Kindermedizin umgezogen – lasse sich der enorme Zulauf nicht erklären.

Die Klinik Dr. Koch habe vor einer Woche darum gebeten, geplante Kaiserschnitt-Entbindungen vorläufig an das Klinikum verweisen zu können, berichtet Dimpfl. Darauf habe man sich ohne Weiteres einigen können. „Voraussetzung unsererseits war, dass die Kaiserschnitte angemeldet werden“, sagt der Chefarzt. Schließlich habe man Engpässe vermeiden wollen.

Hintergrund der Absprache seien Umbauarbeiten in der Klinik Dr. Koch, sagt Jens Wehmeyer, kaufmännischer Geschäftsführer der Diakonie-Kliniken Kassel (DKK), zu denen das Haus an der Pfarrstraße gehört. Die DKK legen zurzeit die Geburtshilfeabteilungen von Diakonissen-Krankenhaus und Klinik Dr. Koch am Standort Bettenhausen zusammen. Zehn Tage lang werde dort der OP-Bereich umgebaut, mit neuen Bodenbelägen und medizinischen Geräten ausgestattet. Dies werde sinnvollerweise über die Feiertage erledigt, wenn im Operationsgeschäft normalerweise wenig los ist.

Der normale Entbindungsbetrieb laufe in der Koch-Klinik ohne Einschränkungen, sagt Wehmeyer: Der Kreißsaalbereich sei komplett in Betrieb. Sollte bei einer Entbindung kurzfristig ein Kaiserschnitt notwendig werden, so sei die Klinik dafür ohne Einschränkungen gerüstet, betont der Geschäftsführer. Lediglich die absehbaren Kaiserschnitt-Geburten verweise man noch bis Ende Dezember ans Klinikum Kassel.

Laut Wehmeyer kommen auf den Geburtsstationen der DKK im Durchschnitt täglich fünf bis sechs Babys auf die Welt. Etwa ein Viertel aller Entbindungen werde per geplantem Kaiserschnitt vorgenommen.

Doch längst nicht nur solche Fälle kämen in den letzten Tagen vermehrt zur Frauenklinik auf dem Möncheberg, sagt Chefarzt Prof. Dimpfl. Auch viel mehr Schwangere mit Beschwerden würden sich melden sowie Frauen, die zur Entbindung kommen. Zu den 84 regulären Betten in der Frauenklinik wurden schon drei zusätzliche eingeschoben. Außerdem habe man eine dritte Hebamme in den Dienst geholt und Mitarbeiter aus der Gynäkologie in die Geburtshilfe abgezogen.

Sollte sich die Zahl der Patientinnen noch weiter erhöhen, müsste man diese nach Marburg, Göttingen oder Fulda verlegen, sagt Dimpfl. „Wenn wir merken, dass wir an unsere Grenze stoßen, müssen wir das tun, um zu verhindern, dass Frauen nicht adäquat versorgt werden.“

Von Katja Rudolph und Axel Schwarz

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