Ausfallquote mehr als doppelt so hoch

Krankenstand bei der Regiotram bleibt ein Rätsel

Drehkreuz Hauptbahnhof: Von hier aus fahren die Regiotrams auf insgesamt vier Linien in Richtung Hofgeismar, Melsungen und Wolfhagen. Auf der Linie nach Schwalmstadt sind seit Mitte Dezember auch Züge der Kurhessenbahn unterwegs. Archivfoto: Dilling

Kassel. Zunächst einmal bis Freitag rollen acht Mal Busse statt Regiotrams auf den Linien RT3 und RT4 zwischen Kassel sowie Hofgeismar und Wolfhagen.

Der seit Monaten hohe Krankenstand bei den Lokführern lässt der Regiotram-Gesellschaft (RTG), einer Tochter von Kasseler Verkehrgesellschaft (KVG) und Hessischer Landesbahn (HLB), keine andere Wahl, als so für Ersatz zu sorgen. Allerdings fahren die Busse nicht alle Regiotram-Haltestellen an.

Dass 20 Prozent des Personals oder mehr krank ausfallen, sei ungewöhnlich, hatte RTG-Geschäftsführer Klaus Reintjes im November gesagt. Zum Vergleich: „Der Krankheitsstand unserer Busfahrer (bei der KVG) ist spürbar geringer“, sagte Pressesprecher Ingo Pijanka. Bei „branchenüblichen 6,5 bis neun Prozent inklusive Langzeitkranken“ lagen die Zahlen zuletzt bei der HLB und deren Tochter Cantus, so Sprecherin Susanne von Weyhe.

Lokführer blieben bei Bahn

Die genauen Gründe für den hohen Wert bei der RTG bleiben rätselhaft. Und doch gibt es Erklärungsversuche: Seit Ende 2013 betreiben KVG und HLB die Regiotram allein, vorher war die Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio mit im Boot. Viele DB-Lokführer wechselten nicht in die Regiotram-Gesellschaft, was die verbliebenen auffangen mussten. Reintjes räumte im November ein: „Wir haben ihnen viel abverlangt und sie stark beansprucht.“ Allerdings betonte er auch, dass das Personal an verschiedenen Stellen entlastet wurde.

So startet in diesen Tagen ein Lehrgang für neue Regiotram-Fahrer. Doch der dauert neun Monate. Das ist so langwierig und aufwendig, weil Lokführer auf Eisenbahnstrecken nach Signal und auf Straßenbahn-Strecken auf Sicht fahren müssen. Sie brauchen also eine Ausbildung für beide Systeme.

Mehr Geld und mehr Ruhe

Trotz der Entlastung schöben viele Lokführer Urlaubstage vor sich her, die teils noch aus dem Jahr 2013 stammen, hatte Thomas Hupfeld, Vorsitzender der Kasseler Ortsgruppe der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), kürzlich gesagt. Der GDL gehe es deshalb nicht nur um eine bessere Bezahlung, sondern auch darum, die Zahl der freien Wochenenden von zehn auf zwölf auszuweiten. „Viele Regelungen zur Arbeitszeitverteilung und zu den Ruhezeiten müssen dringend verbessert werden“, hatte die GDL als Reaktion auf das neue Angebot der RTG erklärt.

Scheitert die Verhandlungsrunde am heutigen Dienstag, dürften unbefristete Streiks folgen. Dafür hatten sich die GDL-Mitglieder in einer Urabstimmung über den Jahreswechsel ausgesprochen – „zu 100 Prozent“, sagte Hupfeld. Die RTG wollte sich vor den Gesprächen am Dienstag nicht öffentlich äußern.

Von Claas Michaelis

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