Stress im Beruf erhöht Herzinfarkt-Risiko

Krankenstand in Kassel Stadt und Kreis ist gestiegen

Krankenstand in Region ist gestiegen

Kassel. Der Krankenstand in Stadt und Kreis Kassel ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2012 der Krankenkasse DAK-Gesund hervor.

Danach stiegen die Ausfalltage der Beschäftigten aufgrund von Erkrankungen um 0,4 Prozentpunkte, während sie in Hessen insgesamt nur um 0,2 Prozentpunkte zunahmen. Mit einem Krankenstand von 4,1 Prozent liegen Stadt und Kreis auch deutlich über dem Landesdurchschnitt (3,7 Prozent).

An jedem Tag des Jahres waren von 1000 DAK-versicherten Arbeitnehmer 41 krankgeschrieben. Der höchste Wert in Hessen wurde in den Landkreisen Werra-Meißner und Hersfeld-Rothenburg mit 4,4 Prozent gemessen.

Den deutlichsten Zuwachs gab es bei den psychischen Erkrankungen mit 34 Prozent. Grundlage für den Report ist eine Befragung von 1200 DAK-Versicherten. Aus dem Bericht geht außerdem hervor, dass Stress und Frust im Beruf das Herzinfarkt-Risiko deutlich erhöhen. In Hessen leiden 8,5 Prozent der Berufstätigen darunter, dass sie sich für ihre Anstrengungen im Job nicht ausreichend belohnt fühlen.

„Dadurch verdoppelt sich bei den Betroffenen das Risiko für eine schwere Herzerkrankung“, sagt Ernst-Jürgen Braun, Leiter des DAK-Servicezentrums Kassel. Betroffen davon sind vor allem Facharbeiter und Arbeiter. (mkx)

Frust im Job macht krank

Psychische Erkrankungen nehmen deutlich zu - Belohnung im Beruf ist wichtig

Von Mirko Konrad

Kassel. Bei fast allen Krankheiten stiegen 2011 im Vergleich zum Vorjahr die Ausfalltage von Arbeitnehmern, die bei der DAK versichert sind. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsbericht der Krankenkasse hervor. In Stadt und Kreis Kassel sind das 43 000.

Ernst Jürgen Braun von der DAK-Gesund in Kassel stellte die Ergebnisse gemeinsam mit Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamts Region Kassel, am Donnerstag vor. Den deutlichsten Zuwachs gab es bei den psychischen Erkrankungen wie Depressionen (34 Prozent). Der Grund dafür war eine deutlich längere Erkrankungsdauer von im Schnitt 30 Tagen pro Fall. Bei Atemwegserkrankungen stiegen die Fehltage um neun Prozent. Die Ausfallzeiten durch Rückenleiden blieben konstant, die durch Magen-Darm-Erkrankungen gingen zurück.

Aus dem Bericht geht außerdem hervor, dass Stress und Frust im Beruf das Herzinfarkt-Risiko deutlich erhöhen. 8,5 Prozent der Berufstätigen leiden unter einer sogenannten Gratifikationskrise. Davon spricht man, wenn der Verausgabung im Beruf durch Zeitdruck, Überstunden und körperliche Anstrengung keine entsprechende Belohnung wie die Anerkennung durch Vorgesetzte und Kollegen, ein angemessenes Gehalt oder ein sicherer Arbeitsplatz gegenübersteht.

Männer und Frauen sind davon gleichermaßen betroffen, besonders häufig die Altersgruppe zwischen 45 und 55 Jahren. Anzeichen können etwa Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Unruhe und Schlaflosigkeit sein. Menschen mit einer Gratifikationskrise haben ein doppelt so hohes Risiko, an einer koronaren Herzkrankheit (KHK) und Herzinfarkt zu erkranken, wie Menschen ohne arbeitsbedingten Stress. Eine KHK bezeichnet laut dem Kasseler Internisten und Herzspezialisten Dr. Frank Jäger eine hochgradige Verengung der Herzkranzgefäße, die zu einem akuten Herzinfarkt führen kann, der zweithäufigsten Todesursache in Deutschland. In Hessen starben 2010 mehr als 3700 Menschen daran.

Typisches Symptom einer koronaren Herzkrankheit sind laut Jäger Schmerzen in der Brust, die bei körperlicher Belastung auftreten. „Neben arbeitsbedingtem Stress müssen aber auch die klassischen Risikofaktoren beachtet werden“, sagt Jäger. Dazu gehören vor allem das Rauchen, hohe Cholesterin-Werte, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Bewegungsarmut. Hinzu kommen erbliche Faktoren. Vorsorgeprogramme Arbeitsbedingter Stress wiederum kann klassische Risikofaktoren wie Rauchen oder eine ungesunde Ernährung begünstigen.

„Viele Menschen kompensieren dadurch ihre Unzufriedenheit“, erklärt Jäger. Ganzheitliche betriebliche Präventionsprogramme hält Müller für sinnvoll, um Gratifikationskrisen vorzubeugen. Laut Braun kennen viele Arbeitsnehmer ihr Gefährdungspotenzial, kümmern sich aber deshalb nicht stärker um ihre Gesundheit. „Hier sollten Unternehmen mit ihrem betrieblichen Gesundheitsmanagement ansetzen“, fordert er.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.