Problem für Geschwächte

Krankentaxen sind oft mit multiresistenten Erregern infiziert

Auch Kasseler Krankentaxen sind höchstwahrscheinlich belastet: Der MRSA-Keim ist nur durch eine aufwändige Reinigung aus Sitzpolstern zu beseitigen. Foto: dpa

Kassel. Ein Viertel der Kranken-Taxen sind mit resistenten Keimen belastet, die für immungeschwächte Patienten gefährlich sind. Das ergab jetzt eine Untersuchung Frankfurter Fahrzeuge. Das Kasseler Gesundheitsamt geht davon aus, dass auch Kasseler Kranken-Taxen betroffen sind.

Die Gefahr ist unsichtbar, aber sie kann geschwächte Patienten in Lebensgefahr bringen: Nach der Studie aus Frankfurt geht das Gesundheitsamt der Region Kassel davon aus, dass auch Kasseler Kranken-Taxen, so genannte unqualifizierte Krankentransporte, mit antibiotikaresistenten MRSA-Keimen belastet sind. „Wir gehen davon aus, dass die Situation hier ähnlich ist“, sagt Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamtes.

Eine unmittelbarer Handhabe gegen das Problem gebe es aber nicht. Denn anders als bei den Fahrzeugen des Rettungsdienstes, die regelmäßig überprüft würden, gebe es für die Taxen keine rechtliche Grundlage, um sie auf ihre Keimbelastung hin zu untersuchen. Es könnten daher nur anlassbezogene Untersuchungen stattfinden, bei denen die Fahrzeuge üblicherweise nicht auf Keime untersucht würden.

Aus Sicht von Müller macht es aber auch keinen Sinn, die Kasseler Taxen, die für Patiententransporte eingesetzt werden, zu untersuchen. „Weil die Ergebnisse wohl ähnlich ausfallen würden, müssen wir uns eher Gedanken machen, wie wir damit umgehen“, sagt Müller. Sie nehme die Studie aus Frankfurt ernst. Aber mit der „Hauruck-Methode“ lasse sich das Problem nicht lösen. Es gehe darum, das Bewusstsein der Taxiunternehmer für die Hygiene zu schärfen.

Dr. Markus Schimmelpfennig vom Hygienischen Dienst des Gesundheitsamtes beschreibt die Hindernisse: Liegend- oder Rollstuhltransporte seien so gebaut, dass sie noch relativ einfach zu desinfizieren sind. Anders sei es bei normalen Taxis. Es gebe desinfizierend wirkenden Reinigungsschaum für Sitzpolster, aber die Reinigung sei aufwändig.

Schimmelpfennig leitet das MRE-Netzwerk Nordhessen. MRE steht für multiresistente Erreger, zu denen der MRSA-Keim zählt. In diesem Netzwerk würden sich die Experten nun über das weitere Vorgehen abstimmen. Da etwa auch Hochrisikopatienten, wie etwa Dialysepatienten, aus Kostengründen mit Krankentaxen transportiert würden, sei der Handlungsbedarf klar.

MRSA-Keime seien aber keinesfalls nur in Taxen zu finden. Wer etwa über den Griff eines Einkaufswagens oder die Halteschlaufe im Bus mit den Keimen in Kontakt komme, würde diese bis zur nächsten Dusche mit sich herumtragen. „Die Keime besiedeln die Haut und sind für gesunde Menschen kein Problem. Anders ist es, wenn ich anschließend die kranke Oma besuche“, sagt Schimmepfennig. Wenn die Keime etwa durch Nasebohren in die Nase gelangten, könnten sie sich dort für mehrere Wochen ansiedeln.

Stichwort MRSA: MRSA sind Staphylokokken-Stämme, die gegen mehrere Antibiotikaklassen resistent sind. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene schätzt 2009 etwa 40 000 Todesfälle jährlich durch in deutschen Krankenhäusern zugezogene Infektionen. (bal)

Von Bastian Ludwig

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