Krankenwagen in Not: Fahrer bedrängte Rettungswagen - Prozess

Kassel. Als im Januar auf der A44 ein Krankenwagen mit einem verletzten Kind unterwegs war, soll er bei Breuna von einem BMW-Fahrer bedrängt und dann auch noch ausgebremst worden sein. Wegen Nötigung saß der 38-jährige Fahrer aus Nordrhein-Westfalen nun auf der Anklagebank des Kasseler Amtsgerichts.

Der vierjährige Junge in dem Krankenwagen war nach einem Armbruch in Lippstadt operiert worden, dabei wurde eine Arterie verletzt. „Im Extremfall kann das zum Absterben des Armes führen“, sagte der 20-jährige Fahrer des Krankenwagens. Deshalb sollte das Kind in das Diakonissenhaus in Kassel verlegt werden.

Es galt also, den Jungen möglichst schnell zu Spezialisten für solche Fälle zu bringen. Deshalb, so berichtete der Rettungssanitäter vor Gericht, hätte er auch sofort nach der Abfahrt das Blaulicht und auf der Autobahn zeitweise das Martinshorn eingeschaltet. Um möglichst schnell voranzukommen, fuhr er auf der linken Überholspur, weil auf der rechten Fahrbahn Lkw an Lkw klebte.

Da sei hinter ihm der BMW aufgetaucht, sein Fahrer habe durch Lichthupe und dichtes Auffahren so lange „gedrängelt“, bis er mit seinem Krankenwagen nach rechts, in eine Lücke zwischen zwei Lkw, ausgewichen sei. Wieder auf der linken Spur hatte er dann den BMW vor sich, der plötzlich ohne Grund die Geschwindigkeit gedrosselt und ihn so ausgebremst habe.

Die Mutter des verletzten Jungen, die hinten im Krankenwagen mitfuhr und ebenfalls als Zeugin geladen war, konnte nicht verstehen, weshalb der Fahrer im BMW solche „Spielchen“ treibt. Sie habe zwar nicht viel von dem gesehen, was draußen passierte, doch deutlich gespürt, als der Sanitäter den Krankenwagen abrupt bremsen musste.

Der Angeklagte, der an jenem Tag mit Frau, Kindern und Schwiegermutter „total relaxt“ auf dem Weg in den Skiurlaub war, bestätigte zwar, dass er den Krankenwagen mit Lichthupe zum Verlassen der Überholspur gedrängt habe.

„Nicht im Einsatz“

Doch der Rettungswagen sei weder mit Blaulicht noch mit Martinshorn unterwegs und deshalb nach seiner damaligen Wahrnehmung „nicht im Einsatz“ gewesen. Als er an ihm vorbeigezogen war, sei der Wagen dann mit Blaulicht wieder hinter ihm aufgetaucht. „Ich fuhr langsamer, um ihn vorbeizulassen, da zeigte er mir den Stinkefinger.“ Frau und Schwiegermutter bestätigten diese Version.

Richter Leyhe schlug am Ende vor, das Verfahren - wohl auch wegen der dünnen Beweislage - gegen Zahlung einer Geldbuße vorläufig einzustellen, der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft stimmten zu. Innerhalb von sechs Monaten muss der 38-Jährige nun 2000 Euro in Raten zahlen, danach wird das Verfahren endgültig eingestellt.

Von Ralf Pasch

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