Die Kasseler Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen KISS gibt es seit 25 Jahren

Mit der Krankheit nicht allein

K wie KISS: Mit dieser Aktion auf dem Königsplatz warben die Selbsthilfegruppen für ihren Selbsthilfetag, der in diesem Jahr wegen der documenta ausfällt. Archivfoto: Lantelmé

Kassel. Seit 25 Jahren gibt es die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen, KISS. Heute unterstützt diese rund 5000 Selbsthilfe-Mitglieder in Stadt und Kreis. Wie sprachen darüber mit KISS-Leiterin Carola Jantzen.

Wie war das 1987, als die KISS gegründet wurde?

Carola Jantzen: Es war damals eine Besonderheit, dass eine solche Kontaktstelle bei einem Amt angesiedelt war. Denn zu dieser Zeit waren Selbsthilfegruppen eigentlich gegen etablierte Strukturen, weil sie Versorgungslücken angeprangert haben.

Doch diese Anbindung an das Gesundheitsamt hat letztlich dazu geführt, dass die KISS auch nach Auslaufen des Bundesmodellprogramms Bestand hatte. Zunächst sprangen Stadt und Land Hessen bei der Finanzierung ein, inzwischen sind auch der Landkreis Kassel und die gesetzlichen Krankenkassen mit dabei.

Was meinen Sie denn mit Versorgungslücken?

Jantzen: Es ging zunächst darum, überhaupt Informationen zu bekommen, um eigene Entscheidungen treffen zu können. Heute sind die Patienten weitaus aufgeklärter. Auch das Internet spielt hier eine große Rolle. Und sie werden von vielen Ärzten inzwischen gleichberechtigt behandelt. Doch das Problem ist geblieben und eher noch angestiegen: Die Ärzte haben zu wenig Zeit für die Patienten.

Und was können die Selbsthilfegruppen da tun?

Jantzen: Sie spielen eine wichtige Rolle, um Patienten und Angehörigen zu helfen, mit einer Diagnose umzugehen und diese zu verarbeiten. Heute werden Selbsthilfegruppen schon ganz selbstverständlich in die Behandlung hineingedacht.

Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Jantzen: Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Selbsthilfegruppen ein Stück weit zu schützen. Deren Leiter und Mitglieder sind selbst erkrankt und können nicht dazu verpflichtet werden, regelmäßig ein ausgeweitetes Versorgungs- und Beratungsprogramm anzubieten.

Wir möchten wieder hervorholen, dass das menschliche Miteinander in den Gruppen eine wichtige seelische Unterstützung ist. Die kann aber nur in den Gruppentreffen stattfinden. Informationsveranstaltungen und Einzelberatungen sind nur zusätzlich, treten aber immer mehr in den Vordergrund.

Was macht KISS konkret?

Jantzen: Wir legen Wert darauf, den Selbsthilfegruppen vor allem Handwerkszeug für die Gespräche in den Gruppen zu geben: Aktiv zuhören, unterstützen und motivieren. Zudem beraten wir um die 800 Menschen im Jahr, die eine Selbsthilfegruppe suchen. Der Schwerpunkt liegt heute im psychischen Bereich. Häufig geht es um Angst und Depressionen.

Über eine intensive Öffentlichkeitsarbeit bemühen wir uns, den Selbsthilfegedanken zu verbreiten.

Wie geht es weiter?

Jantzen: Wir möchten gern noch mehr junge Leute für die Selbsthilfegruppen gewinnen. Deshalb überlegen wir, demnächst bei Facebook aktiv zu werden. Denn Selbsthilfe ist nicht nur etwas für alte Leute, sondern ein gutes Mittel gegen Einsamkeit für alle.

Archivfoto: nh

Von Martina Heise-Thonicke

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