David Müller - gelernter Maßschneider - hat vielfältige Arbeitsbereiche

Handwerksserie: Krawatten aus Lachs-Leder

+
Vielfältige Arbeit: Seine handwerkliche Ausbildung hat Maßschneider David Müller ein weites Arbeitsfeld geöffnet. In seiner Werkstatt fertigt er unter anderem Stuhlhussen.

Kassel. Das Handwerk ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige überhaupt. Auch in Kassel ist die Branche mit 1934 Betrieben und 8700 Beschäftigten traditionell stark - und vielseitig. In einer kleinen Serie stellen wir einige von ihnen vor

„Schon als kleiner Junge habe ich gern Stoff zerschnitten“, sagt David Müller. Mit Vorliebe die Gardinen seiner Mutter, fügt er lachend hinzu. Mit 15 habe er sich sein erstes Hemd geschneidert, die Nähmaschine musste er sich dazu von seiner Oma leihen. Dabei sei dann der Wunsch entstanden, auch beruflich mit Stoffen zu arbeiten.

Heute hat der 31-jährige Maßschneider, der gebürtig aus Thüringen stammt, seine eigene kleine Werkstatt an der Angersbachstraße in Rothenditmold. Aber wer glaubt, dass hier die Kunden vermessen und maßgenaue Kleidung gefertigt wird, der hat sich geirrt.

Müllers Karriere ist beispielhaft dafür, welche Möglichkeiten ein handwerklicher Beruf bietet. Statt einer betrieblichen Ausbildung hat er seine dreijährige Ausbildung zum Maßschneider an der Elisabeth-Knipping-Schule gemacht.

Produktdesign studiert

Er arbeite gern mit fließenden Stoffen, bei Herrenkleidung sei das alles etwas statischer. Nach seinem Fachabitur habe er sich entschlossen, an der Kasseler Kunsthochschule Produktdesign zu studieren. Da sei ihm erst deutlich geworden, wie groß das Feld Textil ist. Das zeigt auch der Besuch in seiner Werkstatt: Weiße Stuhlhussen dominieren das Bild. Bereits über 10 000 Stück hat er in den vergangenen knapp zwei Jahren davon gefertigt. Dabei unterstützen ihn mehrere Aushilfen und Praktikanten. Müller plant außerdem, bald seinen Ausbildungsschein zu machen. Der 31-Jährige hat im Rahmen eines Uniprojektes einen Alterssimulationsanzug entworfen. Der Anzug vermittelt dem Träger die Schwierigkeiten im Alter. Dafür hat Müller bereits den ersten Preis beim Unikat-Ideenwettbewerb der Uni Kassel bekommen und den Anzug für Kunden gefertigt.

Ebenso werden in seiner Werkstatt Filzringe für Becher, in denen Heißgetränke serviert werden, gefertigt. Damit man sich an den heißen Gefäßen nicht die Finger verbrennt. Müllers größte Leidenschaft ist allerdings Exotenleder. Lachs, Karpfen, Seewolf und Co zählen dazu. Aus den Fischledern stellt er Krawatten und Fliegen her. Die bekommen dann noch eine Seideneinfassung. Zukünftig plant er auch Strumpfhalter in seiner Kollektion. Müllers Arbeit ist vielfältig. „Meine handwerkliche Ausbildung hat mir dafür die Möglichkeiten eröffnet“, sagt er. Er habe sich mehrere Standbeine geschaffen, wenn eins mal nicht läuft, gäbe es immer noch ein anderes.

Hier geht es zur Facebook-Seite der Textilmanufaktur.

Lesen Sie außerdem in unserer Handwerksserie:

- Familiengeführtes Putz- und Stuckgeschäft Luckey besteht seit 113 Jahren

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.