Kassel

Diagnose Krebs: DRK-Klinik will die Zeit bis zur Therapie verkürzen - Programm aus der Autoindustrie

Im Labor des Instituts für Experimentelle Gentherapie und Tumorforschung (IEGT) der Universitätsmedizin Rostock schaut eine Doktorandin auf einen Monitor, auf dem ein Bild von Melanom-Zellen (schwarzer Hautkrebs) zu sehen ist.
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DIE DRK-Klinik Kassel will Krebs-Patienten weiter unterstützen. Unser Symbolbild zeigt ein Bild von Melanom-Zellen (schwarzer Hautkrebs).

Ein neues Programm soll in der DRK-Klinik Kassel die Wartezeit der Krebs-Patienten verkürzen. Abgeschaut wurde das Programm von der Autoindustrie.

  • Neues Programm in der DRK-Klinik Kassel
  • Nach der Diagnose Krebs soll schneller gehandelt werden
  • Das Programm stammt ursprünglich aus der Autoindustrie

Kassel – Was hat die Autoproduktion mit einem Krankenhausbetrieb zu tun? Parallelen sind auf den ersten Blick nicht erkennbar, geht es doch in der Automobilbranche um ein materielles Gut – und im Krankenhaus oft um existenzielle Fragen.

Der Mediziner Dr. Mathias Kleiß, Chefarzt der Onkologie der DRK-Kliniken Nordhessen in Kassel, sieht Parallelen. Stichwort Lean Hospital. Lean wird in diesem Zusammenhang übersetzt als schlank oder auch zielgerichtet. Das Ziel: Am Patienten orientierte, standardisierte Abläufe, bessere Wirtschaftlichkeit und zugleich ein sinnvoller Einsatz der Arbeitskräfte – vom Chefarzt bis zur Assistentin.

Gemeinsam mit dem Chef der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Onkologische Chirurgie, Prof. Dr. Pawel Mroczkowski, will Kleiß einen Behandlungsablauf anbieten, der den Patienten in den Fokus stellt: das Onko-Lean-Programm.

Diagnose Krebs: DRK-Klinik Kassel mit neuem Programm - der Ablauf

Konkret sieht das so aus: Ein niedergelassener Arzt stellt bei seinem Patienten die Diagnose Krebs. Der nächste Schritt wäre die Überweisung an einen Facharzt. Laut Kleiß kann es passieren, dass bis zum Folgetermin schon mal zwei Wochen vergehen – eine Zeit voller Ungewissheit und Hilflosigkeit, weil der Patient mit dem Ausgangsbefund allein gelassen wird.

Dr. Mathias Kleiß

Das muss schneller gehen, sind sich Kleiß und Mroczkowski einig und bieten Patienten seit Juni an, sich im Anschluss an den Hausarzttermin in der DRK-Klinik Kassel zu melden. Hier wird ein Prozess in Gang gesetzt. Bereits am nächsten Werktag bekommt der Patient einen Termin und durchläuft eine Reihe von Untersuchungen, deren Ablauf standardisiert ist.

Diagnose Krebs: DRK-Klinik Kassel mit neuem Programm - Tumorkonferenz als Start der Therapie

Wie funktionieren die Organe? Wie groß ist der Tumor? Hat er gestreut? „80 Prozent der Maßnahmen aller Krebserkrankungen sind immer gleich.“ Nach spätestens einer Woche fließen die Ergebnisse der Untersuchungen in die sogenannte Tumorkonferenz ein, auf die eine Empfehlung zur Therapie folgt, die mit dem Patienten besprochen wird.

Statt also wegen jeder Untersuchung zu einem anderen Facharzt gehen zu müssen, durchläuft der Patient vor Ort alle notwendigen Schritte und bekommt eine zügige Aufklärung seiner Situation.

Diagnose Krebs: DRK-Klinik Kassel mit neuem Programm - die Vorteile

Onkologie, das sei Teamwork, sagt der Chefarzt aus Kassel. Unterschiedliche Professionen – ambulant und stationär – werden hier verzahnt. „Der Onkologe übernimmt die Funktion des Lotsen für den Patienten. Dadurch fallen unnötige Schnittstellenprobleme weg.“ Und: Es wird Zeit gewonnen, die der Arzt wiederum in die Beschäftigung mit speziellen Dingen investieren könne.

Keine unnötigen Wartezeiten und der Verzicht auf nicht notwendige oder vom Patienten nicht gewünschte Untersuchungen sind laut Mroczkowski weitere positive Faktoren.

Diagnose Krebs: DRK-Klinik Kassel mit neuem Programm - das Individuelle

Bei fast jedem Patienten spielen laut Kleiß Faktoren eine Rolle, die nicht standardisierbar sind und individuell berücksichtigt werden sollen – sei es ein Herzproblem, eine besondere Lebenssituation, Wertvorstellungen oder Begleiterkrankungen.

So werde der standardisierte Ablauf etwa unterbrochen, wenn ein EKG ergibt, dass der Patient unter Herz-Rhythmus-Störungen leidet. In diesem Fall würde eine Zweitmeinung vom Kollegen der Kardiologie eingeholt und der standardisierte Ablauf unterbrochen. Auch diesbezüglich sei die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der Klinik ein großer Vorteil, sagt Mathias Kleiß aus Kassel.

Ein Notfall darf nicht im Krankenhaus behandelt werden - da greift die Klinik in Kassel zu einer ungewöhnlichen Maßnahme.

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