Neue Software für Endoskopie

Krebs-Risiko deutlich verringern: Arzt aus Kassel berichtet über Durchbruch in der Forschung

Bei der Arbeit: Gastroenterologe Gero Moog mit Endoskop in seiner Praxis im Marienkrankenhaus.
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Bei der Arbeit: Gastroenterologe Gero Moog mit Endoskop in seiner Praxis im Marienkrankenhaus.

Großer Fortschritt in der Medizin: Mit diesem unscheinbaren Gerät könnte das Darmkrebs-Risiko reduziert werden. Ein Experte aus Kassel klärt auf.

Kassel – Ziemlich unscheinbar sieht das Gerät aus. Erinnert an einen CD-Spieler, an einen der älteren und klobigeren Sorte. Doch der Apparat hat es in sich. Er geht auf die Suche nach Darmpolypen. Dr. Gero Moog, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, spricht sogar von einem Einstieg in die künstliche Intelligenz. Von einem „echten Novum“, das die Endoskopie effektiver machen soll. Und dieses Novum wird im Marienkrankenhaus gerade getestet.

Es handelt sich um eine Software, die während einer Darmspiegelung zum Einsatz kommt. In früheren Studien sei festgestellt worden, dass 30 Prozent der Darmpolypen übersehen werden: „Das menschliche Auge macht nun mal Fehler“, sagt Moog, in dessen Praxis sich das Gerät der Firma Fujifilm befindet. Insofern sei eine intelligente Software sinnvoll, ergänzt der Kasseler Mediziner.

Krebs-Risiko reduzieren: Arzt berichtet von Durchbruch in der Forschung

Das Prinzip ist auch für Laien leicht nachzuvollziehen: Während der Darmspiegelung läuft eine Bilderkennung mit, und „die Software scannt die Oberfläche der Darminnenwand und vergleicht sie mit Vorlagen“. Auf diese Weise entdeckt die neue Technik nicht nur mögliche Polypen, sondern stellt obendrein fest, ob es sich um bösartige oder harmlose Exemplare handelt.

Die vereinfachte Botschaft lautet so: Je mehr Polypen entdeckt werden, umso mehr reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu erkranken. Moog erklärt, dass Darmkrebs die zweithäufigste Tumorerkrankung in Deutschland ist. Und die Vorstufen der Karzinome, also der bösartigen Tumore, seien eben die Polypen. Darunter sind Schleimhaut-Wucherungen im Darm zu verstehen. Form und Größe können variieren.

Unscheinbar: So sieht das Gerät der Firma Fujifilm aus.

Krebs-Vorsorge: Experte rät zur frühzeitigen Vorsorge

Es gibt zum Beispiel flach ausgebreitete oder erhabene Polypen, manche haben einen Stiel und erinnern an einen Pilz. Die größeren Arten erreichen eine Größe zwischen fünf und acht Zentimetern. Und gerade die Größeren entwickeln sich zu bösartigen Polypen. Sie verlieren ihre ursprünglichen Eigenschaften und sondern Zellen in Lymph- und Blutgefäße ab – die Rede ist dann von Metastasen.

Spätestens ab einem Alter von 50 Jahren sollten Menschen zur Darmkrebsvorsorge gehen, rät der Experte. Und die Darmspiegelung sei die wichtigste Methode: „Sie kann das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, fast auf Null minimieren“, sagt Moog.

Krebs: Neue Technik soll Darmkrebs frühzeitig entdecken

Und die neue Technik soll dabei helfen. Bislang sei die Software nur unter Laborbedingungen getestet worden. In Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg prüft Moog nun deren Effektivität im Normalbetrieb. Mit normalen Patienten. Er geht davon aus, „dass mithilfe der neuen Technik 20 Prozent mehr Polypen entdeckt werden“. Damit hätte die Studie den Beweis erbracht, dass dieser Apparat, der aussieht wie ein CD-Spieler, zur Verbesserung in der Endoskopie beiträgt. (Robin Lipke)

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