Kredit erfüllt Lebenstraum

Kasseler machte sich mit Microdarlehen als Tourtechniker selbstständig

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Hat den Werkzeugkoffer immer dabei: Tour- und Bühnentechniker Martin Eschner aus Kassel. Vor einem guten halben Jahr machte sich der 23-jährige Elektroniker mithilfe der WIBank selbstständig.

Kassel. Martin Eschner ist glücklich. Weil er sein Hobby ein Stück weit zu seinem Beruf gemacht hat. Denn der Metal-Musik-Fan arbeitet meist dort, wo er früher gern seine Freizeit verbracht hat: als Bühnen- und Tourtechniker – früher sagte man Roadie – vor, während und nach Konzerten und Festivals und bei Tourneen.

„Das macht echt Spaß“, sagt der 23-Jährige, der bei SMA Elektroniker gelernt hat und vor einem Jahr im Zuge eines Personalabbau-Programms seinen Job verlor.

Aus der Not machte der junge Mann eine Tugend. Er beschloss, endlich das zu tun, was ihm am meisten Spaß macht und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. Ermutigt von einem Profi, der den Job bereits seit 20 Jahren macht, gründete er im Dezember letzten Jahres mit Unterstützung der Industrie- und Handelskammer und des Vellmarer Unternehmensberaters Ingo Gottwald die Ein-Mann-Unternehmung „Road Roots Touring Martin Eschner“.

So weit, so gut. Was aber fehlte, war Kapital. Zu einer Geschäftsbank konnte der junge Mann nicht gehen. Denn er hatte keinerlei Sicherheiten vorzuweisen. Gottwald riet ihm, einen Microkredit bei der hessischen Förderbank WIBank zu beantragen. Die gab alsbald grünes Licht und 13 000 Euro Startkapital, und schon konnte es losgehen. „Das ist alles schnell und unbürokratisch über die Bühne gegangen“, sagt Eschner. Seither hat er schon eine Reihe von Aufträgen gehabt. Der Jungunternehmer war unter anderem mit den Böhsen Onkelz unterwegs, hat für Schlagerstar Andrea Berg eine Open-Air-Bühne mit auf- und abgebaut und bei zahlreichen Metal-Konzerten geholfen. Dabei ist sich der Elektroniker, der im Gegensatz zu unqualifizierten Kollegen Steckdosen und elektrische Geräte öffnen und reparieren darf, für nichts zu schade: Wenn gewünscht, sorgt er während des Konzerts auch für Getränke für die Musiker oder frische Handtücher. „Ich bin eben ein Dienstleister und mache, was der Kunde wünscht“, sagt Eschner.

www.road-roots-touring.com

Für den Anfang hat der Tour- und Bühnentechniker gut zu tun. „Aber da gibt es noch Kapazitäten“, sagt er. Den Schritt zur Selbstständigkeit hat er zu keinem Zeitpunkt bereut. Sein Lebensmotto: „Lieber mit wenig Geld glücklich, als mit viel Geld psychisch krank.“ Er sei total zufrieden. Ob seine jetzige Tätigkeit am Ende auch dauerhaft sein Hauptberuf bleibe, müsse man abwarten.

Der Markt sei eng, die Konkurrenz groß. Vieles laufe über Beziehungen, Handschlaggeschäfte und mündliche Verabredungen. Da müsse man auch schauen, dass man sein Geld bekommt. „Das ist kein einfaches Gewerbe. Wer sich da nicht auskennt, sollte die Finger von dem Job lassen“, warnt er unerfahrene Enthusiasten vor einem unüberlegten Einstieg.

Sein Fazit nach gut einem Jahr: „Glück hatte ich schon, jetzt brauche ich noch Erfolg.“

Von José Pinto

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