Abwasserleitung von K+S zur Oberweser: Landrat kritisiert Regierungspräsidium

Kreis kämpft gegen Salzflut

Abwässer in die Weser: Eine geplante Abwasserfernleitung könnte an der Oberweser enden. Der Bau braucht ein Raumordnungsverfahren, das im nächsten Jahr ansteht. Archivfoto: Nolte

kreis Kassel. Mit scharfer Kritik reagiert der Kasseler Landrat Uwe Schmidt (SPD) auf die Ankündigung des Regierungspräsidiums Kassel (RP), eine Abwasserfernleitung von Philippsthal (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) durch den Landkreis Kassel nach Oberweser zu genehmigen (wir berichteten). „Diese Pläne stoßen auf Ablehnung des Landkreises und der betroffenen Kommunen – wir werden mit allen Mitteln gegen diesen Unsinn kämpfen“, kündigt Schmidt an.

Die Haltung des Regierungspräsidiums ist für den Landrat kaum nachvollziehbar: „Bei jeder einzelnen geplanten Windkraftanlage fährt das RP die größten Naturschutzbedenken auf – wenn es jedoch um Salzeinleitungen in die Weser, den Bau einer quer durch den Landkreis und damit auch durch Trinkwasserschutzgebiete führenden Salzleitung geht, dann hat man keine Probleme.“

Schmidt nennt die Pläne „realitätsfern“. Denn das RP argumentiere, dass sich die Wasserqualität in der Weser durch die Salzeinleitung nicht verschlechtern dürfe und nur eingeleitet werde, wenn die Weser genügend Wasser führe. Die Hälfte des Jahres stehe die Weser also nicht zur Verfügung, sagt Schmidt: „Oder man verspricht heute etwas, was man nicht halten kann.“ Der Landkreis werde sich zusammen mit den betroffenen Kommunen gegen die Pläne wenden.

Thomas Ackermann, Vertreter der Grünen in der Regionalversammlung Nordhessen, hält die Pläne „für einen ganz schlechten Scherz“. Ackermann: „Es kann doch nicht ernsthaft in Erwägung gezogen werden, ein Abwasser, das ich an anderer Stelle nicht mehr haben will, unverdünnt den Menschen an der Oberweser auf das Auge zu drücken.“ Eine Lösung kann nach Meinung Ackermanns nur der Bau einer Pipeline bis zur Nordsee sein. „Denn nur Meerwasser ist in der Lage, eine solche Salzbrühe einigermaßen zu verkraften“, sagt Ackermann.

Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke (CDU) konterte gestern, von der Genehmigung einer Pipeline könne überhaupt keine Rede sein, allenfalls davon, dass K+S überlege, „eine solche Lösung zu beantragen“. Dass die Einleitung in die Oberweser genehmigungsfähig sein könne, sei längst mitgeteilt. Informationen zur Pipeline-Vorplanung habe auch der Kreisausschuss des Landkreises Kassel seit Wochen auf dem Tisch.  (veg/wrk)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.