Viel schwere Handarbeit

Arbeiten in den 30er-Jahren: Neu entdeckte Bilder zeigen A7-Bau in der Region

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Unterwegs mit Schaufel und Hacke: Das Bild zeigt einen Trupp Arbeiter am 16. Mai 1936 beim Befestigen einer Behelfstrasse für eine Lorenbahn. Haushoch überragt werden die Männer vom südlichen Widerlager der A 7-Brücke über die Nieste.

Kreis Kassel. Es war am 20. Juni 1937, als Gauleiter Karl Weinrich nach weniger als drei Jahren Bauzeit das allererste A 7-Teilstück zwischen Kassel und Göttingen mit großem Tamtam einweihte.

Die HNA berichtete bereits im Sommer über dieses historische Ereignis mit Bildern, die zuvor noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt wurden.

Das Hessische Staatsarchiv hatte die Aufnahmen, die den Bau der A 7 im Bereich des Kaufunger Waldes vom Sandershäuser Berg bis zur Werratalbrücke illustrieren, unserer Zeitung zur Verfügung gestellt. Gemacht hatte diese Bilder seinerzeit Heinrich Konrad, einem der Bauführer für den A 7-Abschnitt Kassel-Göttingen. Zuständig war Konrad für die Fahrbahndecken.

Schwerstarbeit: Zwei Arbeiter verdichten den Trassenuntergrund mit einem 200 Kilogramm schweren Stampfer.

Nun, zum Jahreswechsel, sind erneut historische Aufnahmen aufgetaucht, die an die schwere Arbeit der Männer vor über 80 Jahren an der A 7-Trasse unmittelbar bei Kassel erinnern. Auch diese Fotografien sind ein Zufallstreffer: Entdeckt hat sie Wolfram Skupio, der Bruder unserer HNA-Kollegin Gudrun Skupio (Redaktion Witzenhausen), vor gut einem Jahr auf einem Flohmarkt am Möbelhaus Finke in Fuldabrück-Bergshausen. Die Aufnahmen waren sorgsam in ein Fotoalbum eingeklebt, in Sütterlin handschriftlich kommentiert.

Seltener Baggereinsatz an der A 7-Trasse am 21. Januar 1936 am Sandershäuser Berg: Tatsächlich waren Maschinen auf der A 7-Baustelle zunächst verboten. Es sollten so viele Arbeiter wie nur möglich beschäftigt werden, um der damals hohen Arbeitslosigkeit Herr zu werden.

Das Album trug die Initialen B.C.K., möglicherweise handelte es sich dabei um einen Bauleiter oder einen Bauingenieur, der damals die Baufortschritte an der A 7 im Bild festhielt. Der Flohmarkthändler zumindest hatte keinerlei Bezug zu den Fotos, schildert Skupio. Er hatte das Album irgendwann einmal im Zuge einer Haushaltsauflösung entdeckt und mitgenommen. Auf dem Flohmarkt wollte er fünf Euro dafür haben.

Handarbeit: Das Bild zeigt Arbeiter beim Bau des Trassengrabens am 20. Juni 1937. Die Brücke im Hintergrund ist die Ellenbach-Brücke in Niestetal-Sandershausen. Heute leitet sie den Verkehr von der Hannoverschen Straße zum SMA-Werk.

Die Bilder sind kostbar, zeigen sie doch eindrücklich, wie hart die Arbeit der Männer vor über acht Jahrzehnten an der A 7-Trasse war. Tatsächlich arbeiteten in Spitzenzeiten bis zu 6849 Arbeiter gleichzeitig an der Realisierung der Autobahn 7 zwischen Kassel und Göttingen. Zeitweise war es sogar verboten, Maschinen einzusetzen. Ziel war es, so viele Arbeiter wie nur möglich zu beschäftigen, um der damals hohen Arbeitslosigkeit Herr zu werden.

Verfüllen das südliche Widerlager der Niestetalbrücke mit Beton: Arbeiter am 27. November 1935.

Die Bilder zeigen vor allen die Bautätigkeiten unmittelbar bei Kassel. Dort begannen die Arbeiten am 28. November 1934 nahe Kassel-Bettenhausen. Geplant worden war der erste A 7-Abschnitt ab April 1934 von der „Gesellschaft zur Vorbereitung der Reichsautobahnen“ (GeZuVor). Verkehrspolitisch hatte die Trasse zunächst überhaupt keinen Sinn, das Vorhaben diente allein der Nazi-Propaganda.

Blick auf die A 7 am 16. Januar 1936, etwa ein Jahr nach Beginn der Bauarbeiten am ersten A 7-Teilstück zwischen Kassel und Göttingen: Im Bildvordergrund ist gut die Dammschüttung für die künftige Trasse zu erkennen. Das Material wurde mit kleinen Lorenbahnen herangeschafft. Der Grashügel direkt dahinter ist heute mit der Eichwaldsiedlung zugebaut (Kassel-Bettenhausen). Die kaum zu erkennende Baumreihe in der linken Bildhälfte markiert den Verlauf des Umbachsgrabens, an dem heute die Straße Bunte Berna entlangführt.

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